Kanzlei Marketing goes Legal Tech – Interview mit Gina-Maria Tondolo

Die Zukunft der Rechtsbranche
Kanzlei Marketing goes LegalTech – was und warum wird digitalisiert? In unserem heutigen Beitrag unterhalten wir uns mit Gina-Maria Tondolo. Sie ist CEO und Founder des Legal Tech Start-Ups LAWRENCE (www.lawrence.eu). LAWRENCE ist eine Software für Rechtsanwaltskanzleien im Bereich Legal Marketing
First things first: Warum muss das Marketing in Rechtsanwaltskanzleien digitalisiert werden und welche Bereiche betrifft das im Besonderen?
Gina-Maria Tondolo

Gina-Maria Tondolo

Die Expertise jeder Kanzlei liegt im Erfahrungsschatz ihrer Juristen. Um diesen Erfahrungsschatz zu erfassen, der mitunter auch die Marktpositionierung einer Kanzlei bestimmt, werden Daten über Transaktionen, Causen und juristische Expertise in einem sehr hohen Detailgrad gesammelt. Mit jeder neuen Dienstleistung jedes Rechtsexperten wächst der Erfahrungsschatz und damit auch das Datenvolumen. Diese Daten sind für das Legal Marketing ein wertvoller „Rohstoff“, den es zu vielfältigen Zwecken zu veredeln gilt – zur Erstellung von Angeboten und Ausschreibungen, Referenzlisten, Legal Directory Einreichungen, zur Zusammenstellung von geeigneten Teams inklusive Präsentation der Lebensläufe im Beauty Contest usw. Nur wenn die Daten mit geeigneten Technologien aufbereitet, also digitalisiert sind, lassen sie sich bei Bedarf leicht abrufen und für den jeweiligen Zweck anwenden. Die Anwaltei ist beim Marketing vielleicht etwas vorsichtiger, dennoch steigt das Marketing Datenvolumen stetig. Was konkret sind in dieser Situation die Bedürfnisse des Legal Marketing?  Das Legal Marketing braucht ganz einfach Tools, um der Daten Herr zu werden. Früher oder später erfordert jegliche Art von Daten eine zentrale Sammelstelle – sprich: eine Datenbank. Es reicht halt nicht mehr, mit großen Excel Sheets zu hantieren und eine Vielzahl von Word-Dokumenten via Sharepoint zentral zur Verfügung zu stellen, allenfalls inklusive Wartung. Von einer guten Suchfunktion ist dabei noch gar nicht die Rede. Wenn die unternehmenseigenen Daten nicht aufbereitet sind, dann kostet das schlichtweg Zeit und bedeutet Fehleranfälligkeit. Denn dann erfolgt die Verarbeitung manuell, und dies ständig – bei jeder Variation und unterschiedlichen Kombination – aufs Neue. Wenn es einer Kanzlei wichtig ist, ihre Juristen im Marketing top professionell zu unterstützen, dann sollte sie in diesen Bereich investieren. Zum Beispiel mit dem Einsatz smarter Tools. Um sinnvolle Auswertungen zu ermöglichen, braucht man Daten. Wie sieht es um die Disziplin bei der Dateneingabe aus und wie lassen Juristen sich dazu motivieren?  Ich kenne niemanden, der von Haus aus gerne Daten eingibt. Daten abzurufen und zu verwenden – das erfreut sich hingegen größerer Beliebtheit. Jede Eingabe, jedes Zeitinvestment in eine Datenbank muss für den Juristen einen klar erkennbaren Nutzen erzielen – sonst macht er das nicht. Die Motivation braucht Förderung: Alles was sinnvoll oder interessant ist oder gar Spaß macht, erhöht die Eingabe- und Erfolgschancen. Wenn der User weiß, beim nächsten Pitch seine Daten bereits top sauber im System übernehmen sowie auf Mausklick alle Bestandteile innerhalb kürzester Zeit finden und zusammenstellen zu können, dann gibt er weitaus williger ein. Wie kann Ihr Produkt LAWRENCE in dieser Hinsicht hilfreich sein?  LAWRENCE ist super smart. Und LAWRENCE ist sehr einfach in der Anwendung. Es war uns wichtig, ein Tool zu schaffen, das nicht nur für Marketingprofis hilfreich ist, sondern auch für andere User, die sich selbst schnell zurechtfinden wollen. Gerade für AnwältInnen besteht der große Mehrwert darin, dass sie mit LAWRENCE zu jeder Zeit, also auch am Wochenende und spät abends, ganz selbständig auf Knopfdruck alles verfügbar haben, was sie z.B. für die Erstellung spezifischer Referenzlisten, Angebote oder neuer Lebensläufe benötigen. LAWRENCE verfügt auch über viele Dokumente mit dynamisch generierten Daten – beispielsweise Referenzlisten, die jedesmal ein automatisches Update durchlaufen, sobald neue Referenzen in die Datenbank kommen. Ebenso funktioniert das mit dem persönlichen Track Record. Ist der Track Record in mehreren Lebensläufen angeführt, dann erfolgen auch hier sämtliche Updates automatisiert. Der Anwalt muss nicht mehr überlegen, ob die Liste vollständig oder aktuell ist.  Frauen machen derzeitig weniger als 15% der Legal Tech Founders aus, und das obwohl sie die Mehrheit an juristischen Fakultäten darstellen. Haben Sie persönliche Erfahrungen oder Tipps, die Sie aufstrebenden Gründerinnen in der Legal Technik Szene mitgeben können?  Auch wenn das etwas banal klingen mag: Hab keine Angst vor Fehlern, lerne daraus und nutze es für deine Arbeit.   Großen Dank an Gina-Maria Tondolo, dass sie sich Zeit genommen hat unsere brennendsten Fragen zu beantworten! Ihr Future-Law Team, Sophie Martinetz & Sophie Werner Sophie Martinetz  Sophie Werner