Digitales Wien mit Eva Czernohorszky – Leiterin Abteilung Technologie Services in der Wirtschaftsagentur Wien

Die Zukunft der Rechtsbranche
Die Digitalisierung macht auch vor der Öffentlichen Hand nicht Halt — und Wien ist ganz vorne dabei, wenn es darum geht, Wienerinnen und Wienern höchsten Komfort und Geschwindigkeit bei Behördenwegen, aber auch im digitalen Alltag, zu bieten. 
Im Gespräch mit Eva Czernohorszky – Leiterin Abteilung Technologie Services in der Wirtschaftsagentur Wien, gehen wir auf eine digitale Reise durch ‚Grätzl‘ und Open Data. Wo wird  angesetzt? Was ist möglich? Und wohin führt der Weg der Digitalisierung in Österreich? Eines der neuen Projekte der DigitalCity.Wien ist der „DigitalCity.Wien-AI-Hotspot“. Das Projekt macht sich die Technologien AI und Machine Learning zu nutzen. Wie setzen sie dieses moderne Projekt um und welche Veränderung wird es für Bürgerinnen und Bürger bringen?   Wien zählt zu den Top 5 IKT-Metropolen in Europa. Das innovative Potential hat sich in den letzten 15 bis 20 Jahren enorm entwickelt: Wien ist heute mit 200.000 Studenten die größte Universitätsstadt im deutschsprachigen Raum, die Zahl der Forschungsunternehmen und -institute hat sich auf rund 2.300 verdreifacht, und der Bereich der Start-ups wächst seit fünf bis sieben Jahren rasant, das gilt auch und gerade für den IKT-Sektor. Die Innovationskraft der Wiener Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist beeindruckend. Um Wirtschaft und Wissenschaft für gemeinsame herausragende Projekte zusammenzubringen, fördert die Wirtschaftsagentur Wien seit über 10 Jahren mit dem Programm COMET sogenannte Kompetenzzentren. Eines dieser Zentren ist beispielsweise die Forschungseinrichtung VRVIS, die sich mit der Frage beschäftigt, wie man Daten, Zusammenhänge und Fragestellungen in der bestmöglichen visuellen und interaktiven Form darstellen kann. Ein weiteres Beispiel ist das Forschungszentrum für Informationssicherheit SBA, das Lösungen für die Sicherheit von Daten in einer zunehmend digitalen Welt entwickelt. Oder das 2018 eröffnete Forschungszentrum ACDP, das die Digitalisierung von Produktionsprozessen vorantreibt.  Von der Gestaltung neuer Produkte über die Organisation von Fertigungsprozessen bis hin zum automatischen Testen von Produkten, überall können digitale Tools den Produktionsprozess vereinfachen oder in der Qualität verbessern. Dieses Jahr startet in Wien das weltweit größte Zentrum, das sich mit Anwendungen der Blockchain-Technologie beschäftigt. (IKT – Informations- und Kommunikationstechnologie)  Wie werden Großprojekte wie zum Beispiel jenes zu Open Government Data gemeistert und welche Player geben Input?  Die Stadt Wien beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Open Data. Die Veröffentlichung von Daten der öffentlichen Verwaltung in maschinenlesbarer Form bringt einen großen gesellschaftlichen Mehrwert. Open Government Data stärkt die öffentliche Transparenz, fördert die Bereitstellung von innovativen öffentlichen Services und erleichtert die Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern an politischen Prozessen. Aber auch für die Wirtschaft eröffnen sich hier spannende Perspektiven: Firmengründerinnen und -gründer entwickeln auf Basis der Daten neue Geschäftsmodelle und Investorinnen und Investoren nutzen Daten zur Risikoanalyse und –minimierung. Eine 2015 von Capgemini veröffentlichte und durch die Europäische Kommission beauftragte Studie kam zum Schluss, dass das Marktvolumen für Open Data in den EU28-Staaten rund 75 Milliarden Euro im Jahr 2020 betragen soll und dass direkt durch Open Data in den Jahren 2016 bis 2020 25.000 neue Jobs entstehen können.  Eine 2017 veröffentliche und durch das Bundeskanzleramt in Auftrag gegebene Studie sieht „eine Steigerung der Beschäftigung in diesem Feld um 32% in Europa und bis zu 2.000 Stellen in direktem Zusammenhang mit Open Data in Österreich bis 2020“. Um dieses Innovationspotential auch wirklich zu heben, hat die Wirtschaftsagentur Wien gemeinsam mit dem Wiener Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke im Rahmen der Open Data Days 2019 alle relevanten Akteure zu einer Veranstaltung eingeladen und Open Data aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet: von den zahlreichen Aktivitäten der Stadt Wien bis hin zur Relevanz von Open Data in Bezug auf Barrierefreiheit und innovative Produkte von Wiener Startups in diesem Zusammenhang. Open Government Data (OGD) sind jene nicht-personenbezogenen und nicht-infrastrukturkritischen Datenbestände, die im Interesse der Allgemeinheit ohne jedwede Einschränkung zur freien Nutzung, zur Verbreitung und zur Weiterverwendung frei zugänglich gemacht werden.  Wie auch unsere Studie aus dem Jahr 2018 ergeben hat, haben digitale Kommunikationswege zwischen den Parteien zukünftig große Bedeutung.  Großer Bedarf besteht bei der Kommunikation mit Behörden und Gerichten: 88 % ist es wichtig, dass öffentl. Ämter auf digitale Kommunikationstechnologie setzen.  Wo sehen Sie die großen zukünftigen Chancen von Legal Tech?  Die Digitalisierung wird auch die Rechtswissenschaften verändern. Der Umgang mit großen Datenmengen, die semantische Analyse von Texten, der Schutz von Personendaten und neue Kollaborationstools sind nur einige Beispiele dafür, wie neue Technologien die Branche verändern. Wir freuen uns, dass in Wien eine Community entsteht, die Innovationen in diesem Feld vorantreiben möchte. Wir werden diese Entwicklung als Informations- und Vernetzungsplattform und mit unseren Förderungsangeboten vorantreiben. Seit Anfang Mai dieses Jahres fördern wir Digitalisierungsprojekte von kleinen und mittleren Unternehmen mit zusätzlich insgesamt 4,5 Millionen Euro. Vor allem Klein- und Kleinstbetriebe brauchen Hilfe, um den Einstieg in die Digitalisierung zu schaffen. Das soll sie zukunftsfit machen und Arbeitsplätze in Wien sichern. Zugeschnitten auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und finanziellen Möglichkeiten der Unternehmen werden seit 1. Mai zwei unterschiedliche zusätzliche Fördermaßnahmen angeboten. Kleinst- und Kleinbetriebe mit bis zu 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden mit bis zu 10.000 Euro für kleinere Digitalisierungsschritte gefördert. Größere Betriebe mit bis zu 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können für komplexere Digitalisierungsmaßnahmen bis zu 30.000 Euro an Förderung erhalten. Wir bedanken uns bei der Wirtschaftsagentur Wien für Ihren Input!  Ihr Future-Law Team, Sophie Martinetz & Sophie Werner Sophie Martinetz