Professionelles Legal Tech in Kanzleien ist kein Selbstläufer: Gastbeitrag DLA Piper

Die Zukunft der Rechtsbranche
Bei der Legal Tech Konferenz 2019 geht es, wie Sie vielleicht schon wissen, dieses Jahr um UseCases. Wie viel Nutzen wir aus den Tools ziehen können und warum auch Arbeitshilfen manchmal Arbeit bedeuten beleuchtet Mag. Armin Hendrich MBA MSc von DLA Piper in unserem heutigen Gastbeitrag.
Legal Tech ist ohne Zweifel ein wesentlicher Innovationstreiber in der Rechtsbranche. Neue Lösungen sollen die Arbeit effizienter gestalten und durch erhöhte Transparenz die Nähe zum Mandanten erhöhen. Ziel sind ein reduzierter Verwaltungsaufwand innerhalb der Kanzlei, bessere Planbarkeit und mitunter prozessentscheidende Erkenntnisse, gewonnen aus einem scheinbar unüberblickbaren Stapel an Dokumenten. Die Lösungen werden dank Machine Learning immer intelligenter und streben in Richtung Künstliche Intelligenz. Hinter erfolgreichem Legal Tech stecken jedoch vor allem viel Aufbauarbeit und langjährige Erfahrung. Robo-Anwälte, die alle Gesetzestexte auswendig können und Menschen aus Leib und Blut ersetzen, sind zur Erleichterung vieler Anwälte noch nicht in Sicht. Im Mittelpunkt steht derzeit das Bestreben, einfache Tätigkeiten, die viel Zeit kosten, jedoch im juristischen Alltag unersetzbar sind, erheblich zu beschleunigen. Unter dieser „commodity work“ sind unter anderem die Erfassung, Analyse und Verarbeitung großer Dokumentenmengen zu verstehen. Bei größeren und komplexeren Fällen müssen oft Tausende bis hin zu Millionen Seiten erfasst und darin enthaltene Informationen verarbeitet werden. Die derzeit am Markt befindlichen e-Review-Tools, die überwiegend auf U.S. Style e-Discovery ausgelegt sind, beherrschen bereits weitreichende analytische Fähigkeiten. Weiterentwicklungen dieser Tools in den letzten Jahren fokussieren vor allem darauf, aus der Interaktion mit dem Benutzer zu lernen (Machine Learning) und durch die Analyse menschlicher Verhaltensmuster zu helfen, die sprichwörtliche „Nadel im Heuhaufen“ zu finden (Language Processing).
Chancen durch Automatisierung, aber nicht um jeden Preis
DLA Piper nutzt als Kanzlei mit internationalem Fokus unter einer Vielzahl von Legal Tech- Anwendungen auch Collaboration Tools, die den Austausch zwischen Kanzleikollegen, aber auch zwischen Kanzlei und Mandanten erleichtern sollen. In diesem Bereich ist ein eindeutiger Trend zur Automatisierung zu erkennen. Während bei DLA Piper intern bereits stark auf automatische Prozesse gesetzt wird, sieht man im Austausch mit Mandanten automatisierte Vorgänge weitaus kritischer. Die Kanzlei legt einen strengen Maßstab in Qualitäts- und Sicherheitsfragen an. Diesen erfüllen selbst die besten und innovativsten Produkte in vielen Bereichen nicht. Tools können hier derzeit vor allem die Transparenz gegenüber dem Mandanten steigern sowie, in einem allen Sicherheits- und Qualitätsaspekten Rechnung tragenden Ausmaß, den Austausch zwischen Mandant und Kanzlei komfortabler gestalten.
Legal Project Management für Legal Tech sinnvoll
Das Bekenntnis zu Legal Tech-Anwendungen heißt nicht, sich ohne tiefgehende Beschäftigung mit dem Thema im Handumdrehen einen modernen Anstrich zu verpassen. Dafür sind Investments in diesem Bereich zu kostspielig – und zu wertvoll. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch Legal Project Management. Bei DLA Piper koordinieren Legal Project Manager große, länder- und Jurisdiktionen-übergreifende Projekte, verstärkt dort wo Legal Tech zum Einsatz kommt. Sie stimmen etwa von Beginn weg die Anforderungen mit den Mandanten ab, steuern die zeitgerechte Reihung und Erledigung relevanter Prozesse und evaluieren mögliche Effizienzgewinne durch kontinuierliches Monitoring parallel verlaufender Projekte. Indem die Organisation auf stabilen Beinen steht und der Verwaltungsaufwand minimiert wird, können sich Anwälte wieder mehr auf ihre juristischen Kernkompetenzen konzentrieren.
Ziel ist in erster Linie, den veränderten Bedürfnissen der Mandanten besser gerecht werden zu können. Mandanten bevorzugen heutzutage keine universellen, sondern speziell auf sie zugeschnittene Lösungen. Der heutige Kunde ist außerdem auf Kostentransparenz bedacht. Der Einsatz von Legal Tech in Verbindung mit Projektmanagement wird dieser Veränderung gerecht.
Artificial Intelligence ist die Zukunft
In Zukunft wird Legal Tech verstärkt im Bereich der Künstlichen Intelligenz angesiedelt sein. Viele Software-Anbieter preisen bereits an, mit AI zu arbeiten. Noch darf sich das, was dahinter steckt kaum „Künstliche Intelligenz“ nennen. Die ständige Auseinandersetzung mit solchen zukunftsweisenden Technologien ist dennoch in jedem Fall unentbehrlich, um auch in Zukunft zeitgemäße juristische Dienstleistungen anbieten zu können. Das internationale Netzwerk von DLA Piper ermöglicht die Beschäftigung mit diesen Trends und den internationalen Austausch mit Kollegen. Erfolgsentscheidend ist, diese globalen Erfahrungen – denn diese Entwicklungen kommen kaum aus dem lokalen Markt – in eine professionelle Schulung von Juristen und Kollegen in fast allen Business-Bereichen überzuführen. Über den Autor: Armin Hendrich ist Partner bei DLA Piper Weiss-Tessbach. Er berät vorwiegend Kunden im Bereich des Bankenrechts und leitet ein Team von Juristen innerhalb der „Litigation & Regulatory“-Praxisgruppe. Zudem ist er Teil der „Service Delivery and Quality“-Gruppe bei DLA Piper und besitzt langjährige Erfahrung im IT-Bereich.