Wie entwickelt LegalTech die Anwalterei fort? Interview mit Rupert Hartzhauser

Die Zukunft der Rechtsbranche
Welche Veränderungen gehen mit der Digitalisierung einher? Bereitet man sich im Vorhinein darauf oder ist die Weiterentwicklung ein „learning by doing“. In unserem heutigen Interview mit Rupert Hartzhauser | Chief Operating Officer bei bei CMS gehen wir diesen Fragen auf den Grund.
Herr Hartzhauser, mit über zwanzig  Jahren Erfahrung in der Anwaltsbranche haben Sie hautnah miterlebt wie Anforderungen und Erwartungshaltungen an den Anwalt/die Anwältin sich gewandelt haben. Ihr neues Aufgabenfeld als COO bei CMS in Wien positioniert Sie genau an diesem Knotenpunkt der Innovation und Weiterentwicklung des Unternehmens. Was ist Ihre Wahrnehmung wie die Digitalisierung/ Legal Tech das Berufsfeld beeinflusst?  Die Anwaltsbranche wird ja oft als „one of the oldest and slowest moving induestries“ bezeichnet und aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass da sicher etwas Wahres dran ist. Grundsätzlich ist das ja nicht per se negativ, da es den Vorteil mit sich bringt, Entwicklungen und Trends in anderen Bereichen zu beobachten, um dann bei den – hoffentlich – richtigen mit an Board zu sein. In einer internationalen Kanzlei wie CMS ist aber Digitalisierung und Legal Tech mittlerweile schon seit vielen Jahren ein heißes Thema und das hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die internen Prozesse und Arbeitsweisen, aber natürlich auch auf unser Angebot an Mandanten. Intern ist das oft an recht banalen erscheinenden Dingen ersichtlich, wie etwa dem völligen Verschwinden von Diktaten bis hin zur Verknüpfung sämtlicher Datenbanken oder der automatisierten Erstellung von Pitch-Unterlagen. Gegenüber den Klienten schlägt sich das etwa darin nieder, dass Commodity Work aufgrund technischer Unterstützung erheblich schneller und günstiger angeboten werden kann und – auf der anderen Seite des Spektrums – etwa hoch komplexe juristische Produkte entwickelt werden, die schwierige Sachverhaltsfragen schnell und sicher lösen können. Mit Weiterentwicklung, egal auf welcher Ebene und in welchem Ausmaß, geht immer Veränderung einher und eine gewisse Offenheit sich auf das Um- bzw. Weiterdenken einzulassen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, wenn es darum geht Mitarbeiter*innen an Neuheiten heranzuführen?  In unserer Branche neigt man oft dazu, dass man für die Lösung von internen Problemen (teure) Datenbanken oder sonstige technische Tools anschafft. Das führt sehr oft zu Frustrationen, weil es eigentlich immer um den Prozess, der dahinterliegt geht, und nicht um die simple Anschaffung eines Tools. Dafür ist eine offene Unternehmenskultur und das „Mitnehmen“ der Mitarbeiter von entscheidender Bedeutung. Wenn Mitarbeiter in die Entwicklung und Veränderungen des Unternehmens einbezogen sind, sich quasi als Teil des Ganzen verstehen, dann ist die Bereitschaft, diese Veränderung mit zu tragen, um vieles höher. Aus unserer Studie zum Thema: „Wie wird die Rechtsabteilung 2035 aussehen“ geht hervor, dass die Digitalisierung vor allem von der Geschäftsführung oder CIO aus geht. Wie sehen Sie die Trenddiagnose für die Anwaltsbranche?  Ich würde das für die Anwaltsbranche ähnlich sehen. Es ist nach wie vor so, dass die Partner von Kanzleien die wesentlichen Treiber der Weiterentwicklung ihrer Unternehmen sind. Aber je größer die Kanzlei, desto mehr kommen aber auch andere Positionen, etwa dem Leiter der IT oder einem COO, eine wichtige Rolle zu. Wenn man beobachtet wie sich Kanzleien in den letzten Jahren aufstellen und welche neue Positionen geschaffen werden, ist erkennbar, dass es in Kanzleien zu einem gewissen Umdenken gekommen ist – oder man könnte auch Professionalisierung dazu sagen. So gibt es zum Beispiel bei CMS in Frankfurt jetzt etwa einen „Director of Legal Innovation and Knowledge“, der das für alle CMS Kanzleien koordiniert. Es sind somit nicht nur mehr die Partner alleine die Innovationsträger. Ich beobachte auch, dass es einen Trend gibt die IT-Abteilungen zunehmend vom Rande der Organisation ins Zentrum des Unternehmens zu rücken. Haben Sie abschließend noch von Ihnen durch Erfahrungsberichte gewonnene Tipps für unsere Leser*innen? Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Trotz Digitalisierung, Legal Tech und Artificial Intelligence werden wir auch in Zukunft ein „people’s business sein“, bei dem noch immer das menschliche, bilaterale Vertrauensverhältnis zwischen dem Anwalt und dem Klienten der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sein wird. Wir bedanken uns recht herzlich bei Herrn Hartzhauser für seine Zeit und Insights! Ihr Future-Law Team, Sophie Martinetz & Sophie Werner   Sophie Werner