Der Alltag der Anwälte 2.0 mit Cloud Computing – Teil #2

Der Alltag der Anwälte 2.0 mit Cloud Computing – Teil #2

Die Zukunft der Rechtsbranche
Der Arbeitstalltag einer Juristin/eines Juristen besteht schon länger nicht mehr nur aus Aktenstapel mit Leuchtmarkern durchforsten und Mandantentelefonate führen. Die Digitalisierung schreitet im Laufschritt voran und das wird konkret sichtbar in der Arbeitsweise. Doch welche Rolle spielt dabei Cloud Compuitng und die Cloud Technologie und was bedeutet das für die Anwalterei konkret? Im Interview mit Wolfgang Tichy gehen wir diesen Fragen nach.
Q: Wo ist der konkrete Einsatzbereich der Cloud Computing für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte A: Der Einsatzbereich von Cloud-Computing für Rechtsanwälte ist sehr weit. Er beginnt bei klassischen Standardanwendungen wie „Microsoft Office“, das in der Version „Office 365“ sehr Cloud-Computing Technologie beinhaltet. Einige der Funktionen, die diese Software bietet, darunter gerade auch Funktionen zur Erhöhung der Sicherheit der Software, stehen nur zur Verfügung, wenn der Anwender die Cloud-Funktionalität dieser Software verwendet. Ein anderes Beispiel ist die Software „Microsoft Teams“, die eine Weiterentwicklung des bekannten „Skype“ ist und in Kürze „Skype“ vollständig ersetzen wird. „Microsoft Teams“ ermöglich nicht nur das Führen von Videokonferenzen und Präsentieren von Inhalten für alle Teilnehmer (screen sharing), um gemeinsam an einem Dokument zu arbeiten, sondern auch Kommunikation zwischen Einzelpersonen oder in Gruppen (chats), am ehesten Vergleichbar zu WhatsApp oder anderen Messanger-Diensten. Dazu kommt der direkte Austausch von Dateien und das Einbinden zahlreicher anderer Datenquellen (zB „Microsoft OneNote“ Notizbüchern) und viele weitere Funktionen zur Zusammenarbeit. Der Einsatz von „Microsoft Teams“ in Unternehmen wird derzeit von Microsoft stark forciert und zahlreiche Mandanten verlangen bereits jetzt, über diese Software auch mit ihren Rechtsanwälten zusammenzuarbeiten. „Microsoft Teams“ ist ein auf Cloud- Computing beruhendes Produkt.
Q: Sind Cloud-Lösungen auch nützlich für kanzleiinterne Zusammenarbeit? A: Bei Cloud Lösungen für kanzleiinterne Zusammenarbeit handelt es sich um Anwendungen, mit deren Hilfe Projekte erstellt, organisiert und überwacht werden können. In diesen Projekten können Aufgaben erstellt und zugewiesen werden, der Fortschritt in der Bearbeitung überwacht und die dazugehörige Kommunikation dokumentiert werden. Auf diese Weise können Aufgaben nicht nur effizienter bearbeitet werden, der Arbeitsprozess selbst kann auch besser dokumentiert werden und die Möglichkeiten zur Qualitätskontrolle und -verbesserung steigen. „Meistertask“ und „Slack“ sind Beispiele solcher Anwendungen, die ebenfalls rein auf Cloud-Computing beruhen. Dies Liste an Beispielen für Cloud-Computing Anwendungen und deren Einsatzzweckließe sich nahezu beliebig fortsetzen. Q: Recht sowie Sicherheit werden in der Juristerei natürlich großgeschrieben — Können Sie näher auf den bestehende Rechtsrahmen für Cloud Technologien eingehen? A:Der Rechtsanwalt ist zur Einhaltung der Standesregeln, insbesondere der RAO, verpflichtet. Der Österreichische Rechtsanwaltskammertag (ÖRAK) ist berechtigt, Richtlinien zur Ausübung des Rechtsanwaltsberufes („RL-BA“) zu erlassen.(Vgl. § 37 RAO.)Bei derartigen Richtlinien handelt es sich um Verordnungen, d.h. um verbindliches Berufsrecht und nicht um bloße Empfehlungen. Die Richtlinien sollen die dynamische Entwicklung des Anwaltsberufes widerspiegeln.(Vgl. Hoffmann in Engelhart/Hoffmann/Lehner/Rohregger/Vitek, RAO10 § 37, Rz 5, 12.) Dementsprechend ist zentraler Ausgangspunkt – neben dem § 9 RAO – der § 40 RL-BA 2015.
Q: Empfinden Sie die derzeitige Rechtslage als Hemmschuh oder als Beflügelung der Cloud Technologie?
A: Die Defizite und Unklarheiten der aktuellen Rechtslage bei der Nutzung von Cloud Technologien können (nur) durch Novellierung der bestehenden berufsrechtlichen Vorschriftenbeseitigt werden. Im Interesse des Berufsstandes und unserer Mandanten macht es nicht nur Sinn sondern ist es dringend notwendig, dass wir uns mit diesem Thema eingehend auseinandersetzen. Die Sicherheit und Vertraulichkeit der uns anvertrauten Daten ist oberstes Gebot, das ist wie der heilige Gral. Gleichzeitig müssen auch Anwälte mit der Zeit gehen und verlangen Mandanten aktiv nach modernen Formen der Zusammenarbeit. Wir sind gerade dabei, dafür einen Lösungsvorschlag zu entwickeln, der auch von Berufskollegen sinnvoll umgesetzt werden kann.
Wir bedanken uns recht herzlich bei Herrn Tichy für seine Zeit und Experteninsights! Ihr Future-Law Team, Sophie Martinetz & Sophie Werner   Sophie Werner