Was macht Future-Law? Interview mit Günderin Sophie Martinetz

Sie kennen bestimmt unsere jährliche Legal Tech Konferenz oder haben schon eine Veranstaltung von uns besucht.

Aber wissen Sie welche weiteren Services Future-Law anbietet?

Im großen Interview mit Future-Law Gründerin und Managing Partnerin Sophie Martinetz erzählt sie von den Anfängen des Unternehmens, ihren Zielen und wie die Digitalisierung die Rechtsbranche beeinflusst.

Sophie, du hast schon Erfahrungen in vielen Bereichen gesammelt, warst unter anderem in der Filmbranche oder In House in England beschäftigt, haben diese Eindrücke dazu beigetragen, dass du Future-Law gegründet hast?

Ich sage ja immer, ich bin so ein bunter Hund, weil ich schon in unterschiedlichen Bereichen, auch In-House, gearbeitet habe.
Was ich liebe, ist immer zu schauen: Was gibt es Neues am Markt und was tut sich da.

Dann haben wir ein Anwaltsbüro gegründet in Österreich und deshalb kenne ich auch die Themen der Anwält*innen ganz gut und ca. 2016 gab es einen großen Artikel zum Thema Digitalisierung im Recht in England.
Das war die Gründung von Next Law, dem Inkubator von Dentons, der größten Anwaltskanzlei der Welt.
Da habe ich mir gedacht: Wow, jetzt tut sich sogar was bei den Anwält*innen.

Das Digitalisierungsthema war ja damals noch in den Anfangsstadien, aber nicht deshalb, weil es nicht relevant war, sondern vor allem im Rechtsbereich gab es das damals nicht.
Da habe ich mir gedacht und da bin ich ja recht unternehmerisch, und habe gesagt: Was können wir dazu tun? Und dann habe ich mich mit IBM zusammengetan, wir haben gesagt: Machen wir das zum Thema Artificial Intelligence und haben die erste Veranstaltung aus dem Boden gestampft zum Thema „Wer hat Angst vor Artificial Intelligence?“.
Da haben wir schnell gesehen, dass so viele Anwält*innen wie noch nie auf einmal auf einer Veranstaltung waren. Dann haben wir versucht das Thema ein bisschen aufzumachen. Also: Was ist AI? Wie funktioniert es und so weiter. Von dem Zeitpunkt an haben wir uns weiter vorgehandelt.

Dann im Jahr 2017 ist das Thema immer stärker aufgegangen, wir haben dann mehrere Themen dazugemacht und 2017 zum ersten Mal die Legal Tech Konferenz veranstaltet. Da haben wir ein ordentliches Thema gehabt und – das war wirklich erstaunlich – es war wirklich viel Arbeit, aber es hat auch funktioniert. Seit diesem Zeitpunkt glaube ich, wird das Thema immer relevanter.

Warum hast du Future-Law gegründet?

Weil mich immer neue Themen faszinieren. Ich finde es super: Es tut sich was, es ist relevant, es ist Veränderung und Veränderung tut weh und Veränderung hat Vorteile, aber auch Nachteile. Veränderung verändert operative Modelle, Veränderung verändert strategische Themen.
Gerade in der Rechtsabteilung ist das besonders stark. Das ist natürlich alles vielfältig. Die Digitalisierung ist vielschichtig.
Es hat ganz viel mit Zielvereinbarung, Führungsstil usw. zu tun und das ist wahnsinnig spannend, weil da geht es dann um die Herzkompetenz von jedem Unternehmen.
Und in den Anwaltskanzleien bedeutet es vielleicht weg vom Pyramidensystem, vielleicht weg von der billable hour oder Gefährdung der verrechenbaren Stunde und da tut sich immer was.
Das finde ich spannend.

Ich bin so eine: Ich habe mir gedacht: Das Thema ist ein super Thema und es ist total relevant vor allem, also mich treibt ja immer die Relevanz.
Es wird einen Impact haben auf die Branche, weil wenn alle rund herum digitalisieren, kann man sich ja als Rechtsbranche nicht daneben hinsetzen und sagen: Ok, naja schau ma mal, was wird. Tut man es bis zu einem gewissen Grad auch. Man muss ja nicht alle Fehler machen, die alle gemacht haben. Aber es geht darum wirklich zu sagen: Wie gehen wir jetzt dann weiter.
Und das sind Themen, die mich immer triggern, wo ich immer sage: Super, da machen wir was. Wir machen auch Veranstaltungen, es ist ein Teilbereich.
Wir machen Umfragen, dann arbeiten wir beim Legal Tech Hub mit den Start Ups, also wir machen Innovationsmanagement zum Beispiel. Das heißt, z.B. Wie können Kanzleien mit Innovation umgehen und wie können sie gut mit Start ups zusammenarbeiten? Das machen wir dann, da haben wir unseren eigenen Legal Tech Accelerator aufgegeben und haben ihn in den Legal Tech Hub Europe einfließen lassen.
Da haben wir unsere Expertise in der Zusammenarbeit mit Start ups einfließen lassen.

Wie hat sich Future-Law entwickelt?

Wir haben ganz schnell 2017 unseren eigenen Accelerator begonnen. Damals gab es einen Future Law Start up Accelerator, da hatten wir 3 Start ups drinnen, quasi die ersten drei großen Legal Tech Start ups in Österreich. Das war einerseits Lawrence, das heute wirklich ein etabliertes Tool wird und wirklich wächst.
Das zweite war Iurio, das auch ein österreichisches Start up ist und z.B. mit JurXPERT kooperieren und so weiter, die jetzt auch wirklich etabliert sind im Markt.
Das Dritte war Law Stars, die arbeiten heute bspw. sehr eng mit dem Linde Verlag zusammen, also aus denen ist allen was geworden.

Das heißt, wir haben nicht nur die Veranstaltung gemacht. Die Veranstaltungen sind dazu da, dass man im Markt natürlich ein Thema hinausträgt.
Wir haben auch gleich Umfragen gemacht und eben den Start up Accelerator. Aus dem heraus ist uns dieses Thema ganz stark zugewachsen.
Daraus hat sich dann das Advisory entwickelt, das wir zum Beispiel mit Schwerpunkt auf Rechtsabteilungen machen.

Das machen wir jetzt wirklich sehr, sehr intensiv. Nicht seit 2016, damit haben wir nach eineinhalb Jahren begonnen, und da machen wir einfach sehr viel zu diesem Thema.

Was ist das große Ziel von Future-Law?

Das große Ganze ist für mich, die Rechtsbranche im Drivers‘ Seat der Digitalisierung zu haben. Die Digitalisierung findet so oder so statt. Sie ist nicht aufzuhalten. Unabhängig von Covid das hat es jetzt auch noch beschleunigt. Aber wir sehen es in allen Betrieben, wir sehen Fragen wie: Wie können Informationen weitergegeben werden? Früher gab es das Papier und da gab es einen Aktenlauf. Wie kann man all diese Dinge ins digitale Zeitalter bringen? Jetzt kann man damit hadern, aber die Realität ist: Es erwischt uns alle.

Alle Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, haben als Aufgabe digitalisieren und es ist ganz egal, ob es ein Chemie-Konzern ist oder ein KMU. Alle müssen sich dieser Frage stellen, früher oder später. Insofern war eigentlich die Motivation Future-Law zu gründen, alle beschäftigen sich damit, aber die Rechtsbranche beschäftigt sich nicht so stark damit in Österreich. Wie können wir uns stärker damit beschäftigen? Also nicht altruistisch, sondern wie können wir das mitnehmen? Aus dem entwickeln sich jetzt unterschiedliche Services, die wir anbieten. Ein Teil ist eben Veranstaltungen, ein Teil ist Zusammenarbeit mit Start ups, ein Teil ist sich Information zu holen, ein Teil ist Wissen und Best Practice Austausch und ein Teil ist Advisory. Und ich glaube, dass ist die Gruppe, die sich da heraus entwickelt.

Kurz gesagt: Wir möchten der Rechtsbranche ermöglichen, dass sie bei der Digitalisierung mitmacht. Aber wie gesagt, es ist natürlich auch eine Plattform. Es geht mir vor allem darum diese Themen zu besetzen.  Aber natürlich setzen wir uns für die Themen der Digitalisierung ein, und das ist uns wichtig. Wir wollen eigentlich Kompetenzzentrum sein für alles zum Thema Digitalisierung und Recht. Dann kommt man zu usn und weiß, man bekommt alles zum Thema Legal Tech und Digitalisierung.

Wie beeinflusst die Digitalisierung die Rechtsbranche und wie bringt sich Future-Law dabei ein?

Digitalisierung und um dieses Thema herum passieren dann viele andere Dinge wie: Ich muss mich operativ anders aufstellen, weil bei uns sind alle Leute nur Senior Leute, aber wir brauchen auch Junior Leute, die andere Jobs machen oder wir müssen mehr trainieren mit den Leuten. Wir müssen besser verstehen was unsere Kund*innen überhaupt haben wollen oder wir müssen uns jetzt messen lassen. Leider, weil das ist ja jetzt die Zeit dafür 2022+. Wir müssen klar sagen, nach welchen Kriterien wir Erfolg messen. Das andere, was wir machen ist Wissen vermitteln, also Umfragen Plattform sein und auf dieser Plattform entwickelt, sich jetzt viel, jetzt haben wir auch Membership Pro gelauncht.

Da haben wir gesagt: wir machen so wahnsinnig viel. Jetzt müssen wir etwas machen, um die Community noch einmal besser zusammenzubringen, die wir eigentlich von Null an mit allen anderen aufgebaut haben. Diese Community ist wichtig, weil es noch mehr Austausch gibt. Jetzt kommen die Leute ins Ziel und man braucht die Information und Erfahrungen von anderen. Und mir ging‘s darum: Unsere vielen Informationen und unseren tollen Content weiterhin relevant zu gestalten, ihn zu bündeln und mit den richtigen Zielgruppen zu teilen. Also wir sind ein Hybrid, so eine Art Oktopus.

Erkennst du im Legal Tech Unterschiede im Vergleich zu deiner Startzeit?

Natürlich haben uns am Anfang die Leute angeschaut und gesagt: Wovon sprecht ihr? Was sind die Themen? Das brauchen wir alles nicht. Und da waren die Pioniere schon dabei. Und wir sehen die Pioniere, die man immer wieder sieht. Manche Leute sagen auch: Ah, da sind ja immer wieder dieselben Speaker*innen. Aber diese Leute haben sich damit auseinandergesetzt und damals haben wir uns die Themen Strategie usw. angeschaut – heute sind wir voll in der Umsetzung.

Aber jetzt sind wir schon dabei, wenn ich sehe wie viele Projekte wir haben, wenn ich sehe wie viele Speaker*innen ich einladen kann bei der Legal Tech Konferenz 2022 vs. 2017 und es sind nur 4, 5 Jahre dazwischen. Es wächst exponentiell und das schwierige beim Exponentiellen ist immer, dass wir als Menschen uns so ein Wachstum gar nicht vorstellen können. Es geht nämlich ganz langsam nach oben und plötzlich explodiert es. Meiner Meinung nach sind wir auf dem Weg hinauf.