Ist jede Rechtsabteilung schon bereit für Legal Tech?

Legal Tech sind immer wieder im Gespräch, das muss aber nicht automatisch etwas Positives sein. Denn ohne zu wissen was das Team benötigt, ist es schwierig, eine sinnvolle Lösung zu finden. In ihrem Gastbeitrag reflektiert Martina Wachernig, Abteilungsleiterin Recht bei Verbund, mithilfe eines Muse Songs über die notwendigen Schritte für die Digitalisierung einer Rechtsabteilung.

„I want to satisfy the undisclosed desires in your heart“

Muse “Undisclosed Desires

Verbund/Martina Wachernig

Legal Tech Lösungen sind ein Dauerbrenner auf juristischen Fachkongressen. Aber sind sie das auch in den Unternehmen? Alteingesessene Konzerne vertrauen vielfach auf ihre historisch gewachsenen Abläufe („Dokumentation, Ablage, Archiv“), die den UnternehmensjuristInnen ruhigen Schlaf bereiten. Können wir allerdings in der digitalisierten Welt so mithalten, in der alles neu, agil und vernetzt ist? Wie weit müssen wir unsere Schlafqualität aufgeben, nur um den Fortschritt nicht zu verpassen?

Findige Start-up’s wechseln sich mit etablierten High-Tech-Riesen ab und bieten die Erfüllung der geheimsten Sehnsüchte der Unternehmensjuristen an. Schneller, effektiver, effizienter.

Aber halten die Versprechungen auch der Wirklichkeit stand? Hier sollte man sich die Frage stellen: Was braucht meine Arbeit wirklich? Wie soll die Unterstützung aussehen?

I want to exorcise the demons from your past“

– Muse “Undisclosed Desires”

Schlechte Erfahrungen gemacht? Viel Geld ausgegeben für ein Tool, das nicht brauchbar ist und den Unternehmensjuristen die letzten Nerven kostet?

(Und schon lockt das nächste Angebot:)

„Nicht mit diesem Tool. Es ist simpel, userfreundlich, selbsterklärend. Und kostet fast nichts.“

Oder so ähnlich. Man könnte natürlich auch mit leiser Selbstkritik fragen, habe ich meine Anforderungen artikuliert oder mich eher darauf verlassen, dass jemand meine geheimen Bedürfnisse selbstständig erkennt?

„I want to recognize your beauty´s not just a mask”

– Muse “Undisclosed Desires”

Um ein sinnvolles Legal Tech Tool für die eigenen Bedürfnisse zu finden, wird man nicht darum herumkommen, sich mit der Arbeitsweise seines Teams und des Unternehmens auseinander zu setzen. Möglicherweise wird es nötig sein das Risiko einzugehen, auf dem Weg auf ein falsches Pferd gesetzt zu haben. Der nächste Schritt auf dem Weg wird wohl sein, vom „Abteilungsdenken“ in ein „Teamdenken“ überzugehen. Um die Schönheit hinter der Maske zu erkennen, bedarf es einer engen Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen, vor allem der IT. Keine Angst vor der Technik, denn zu guter Letzt sollte man nicht vergessen: Prozessorientiertes Denken ist eine klassische juristische Disziplin!

Hören Sie sich den Song hier an!