It’s #NextGeneration, Interview mit Bettina Gegenbauer und Matthias Hudobnik

It’s #NextGeneration, Interview mit Bettina Gegenbauer und Matthias Hudobnik

Die Zukunft der Rechtsbranche
Future-Law vergibt am 20. April 2020 zum ersten Mal die „NextGen“ Awards für Bachelor-, Master-, Diplom- sowie PH.D. Arbeiten aus dem Legal Tech Bereich. Im Interview mit Bettina Gegenbauer (Rechtsanwältin und Gründerin der Kanzlei Gegenbauer) und Matthias Hudobnik (Jurist/ Legal Engineer) erzählen Sie von Ihren Erfahrungen als Berufseinsteiger*in und wie sie als Teil der NextGeneration von der Organisation profitieren. 
Herr Hudobnik, mit Background sowohl in Technik als auch in den Rechtswissenschaften sind Sie das Aushängeschild des zukunftsorientierten Juristen — aber muss es denn immer gleich Programmieren sein? Wie prägend wird eine Auseinandersetzung mit Legal Tech Digitalisierung zukünftig sein? Hudobnik: Unsere Gesellschaft ist gegenwärtig digitaler denn je und dies wird in Anbetracht der zu erwartenden zukünftigen Entwicklungen in Bereichen wie z.B. IoT, 5G etc., zügig voranschreiten.Es liegt auf der Hand, dass es von Vorteil ist, technikaffin zu sein und z. B programmieren kann! Ich bin überzeugt, dass eine zukünftige Auseinandersetzung mit Legal Tech/Digitalisierung unumgänglich ist. Auch wenn die juristischen Berufe sehr lange von der Digitalisierungswelle, speziell hier in Österreich, nicht betroffen waren, haben sich die Tätigkeiten durch Legal Tech Anwendungen schon jetzt stark verändert. Zukünftig wird es immer mehr Tools geben, die in den täglichen Abläufen der juristischen Tätigkeiten eingebettet sind. Diese Tools werden vor allem bei trivialen und wiederholten Prozessen eingesetzt, um somit die juristische Arbeit effizienter und transparenter zu gestalten. Juristen müssen aber keine Experten im Programmieren sein, sondern vielmehr geht es in erster Linie darum, dass sie mehr oder weniger komplexe technische Zusammenhänge verstehen, um Mandanten professionell beraten zu können oder auch Programmierer bei der Umsetzung von z.B. größeren maßgeschneiderten Mandantenlösungen zu unterstützen. Frau Gegenbauer, Neben Ihrem Abschluss als Magistra von der juristischen Fakultät Wien, haben Sie sich zusätzlich vielfältig weitergebildet und unter anderem auf alternative Konfliktlösung spezialisiert und einen Postgraduate Lehrgang zum Thema Informations- und Medienrecht besucht. Was würden Sie Studierenden empfehlen, um das meiste aus dem Studium zu raus holen? Ein Zweitstudium beginnen, Sich in den Wahlfachkörben austoben oder praktische Erfahrung sammeln?  Gegenbauer: Weiterbildung war mich schon immer ein großes Thema, beruflich wie privat. Ich bin einfach ein neugieriger Mensch, der sich mit vielfältigen Themen und Inhalten näher beschäftigt. Etwa Kommunikation und die menschliche Interaktion. Aus meiner Sicht wird in der juristischen Ausbildung vernachlässigt, wie wichtig richtige Kommunikation ist. Mit einem guten Auftritt, also dem freien Sprechen, Schlagfertigkeit und der passenden Technik „wann sagt man was zu wem und in welcher Art und Weise“, kann man oft in außergerichtlichen Gesprächen Berge versetzen – und die Mandanten wollen meisten ja einen Prozess nicht zuletzt wegen der hohen Prozesskosten vermeiden. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen in den letzten Jahren war der Lehrgang Informations- und Medienrecht für mich der nächste logische Schritt, um mich fachlich zu vertiefen und die Bedürfnisse nach Beratung abzudecken. Bereits 2014 habe ich einen Artikel in der Zeitschrift ecolex in die Finger bekommen, wo über den Einsatz von Algorithmen in der richterlichen Spruchpraxis berichtet wurde . Soweit ich weiß, werden Richter in Japan ja bereits durch eine Software unterstützt. Auch in der medizinischen Diagnostik wir vermehrt auf Maschine-Learning gesetzt. Seither beschäftige ich mich mit den aktuellen Entwicklungen auf dem Markt zum Themenkomplex Digitalisierung, was unglaublich spannend ist! Aus meiner Sicht kann man sein Studium am besten nutzen, wenn man sich Gedanken darüber macht, was einen dazu bewegt hat dieses Studium durchzuziehen. Ich bin ja auch nur zufällig in dieses Studium „reingestolpert“. Für mich war es wichtig, das passende Handwerk zu lernen, um Dinge weiter zu bewegen, Probleme zu lösen und dadurch für meine Mandanten Klarheit zu schaffen. Je mehr man über eine Sache weiß, desto passender kann eine Lösung gefunden werden. Jus war für mich das Grundtool um zu lernen, wie man sich Wissen aneignet. Auf der Basis kann man eigentlich in fast jedem Bereich, der einen interessiert, arbeiten. Mit sich änderndem Rollenbild des Berufsstandes Anwalt/Anwältin wird vielleicht auch eine Veränderung des Lehrplans notwendig sein — Wo sehen Sie die größten Chancen für Weiterentwicklung, Umdenken oder Neuerung in der Ausbildung der nächsten Generation Juristinnen und Juristen? Hudobnik: Meiner Meinung nach ist die interdisziplinäre Flexibilität durch die Digitalisierung, auch in der juristischen Ausbildung, eine unumgängliche Voraussetzung, um zukünftig als Anwalt erfolgreich zu sein. Konkret müssen Juristen darauf vorbereitet werden, eine Brücke zwischen den technischen Herausforderungen und den juristischen Lösungswegen bauen zu können. Neben einem stärkeren Praxisbezug im Rahmen der Ausbildung wäre auch eine vertiefende und diversifizierte Spezialisierungsmöglichkeit in diesem Kontext von Vorteil, um für die kommenden Herausforderungen bestens gewappnet zu sein.Es ist interessant zu beobachten, dass vor ein paar Jahren noch niemand von Legal Tech gesprochen hat und das Fach Rechtsinformatik wurde einst eher mit „nerdy“ Juristen assoziiert.Umso mehr freut es mich, dass dieser Fachbereich gegenwärtig einen Boom erlebt und große Chancen für Juristen in sich birgt, wenn die Anwendung von Legal Tech Tools an die persönlichen Gegebenheiten der täglichen juristischen Arbeit angepasst wird! NextGeneration bietet Studierenden/Diplomand*innen/Doktorand*innen ein Netzwerk für vereinfachten Zugang zur Rechtsbranche und 2020 werden das erste Mal die NextGeneration Awards vergeben. Auch Sie sind Teil dieser Initiative nun also die Frage: Warum sollte man Teil dieses Networks werden und sich für die NextGeneration Awards bewerben? Gegenbauer: Ich finde diese Initiative großartig! Es ermöglicht interessierten Studenten sich vertiefend mit dem Thema zu beschäftigen, sich mit anderen Studierenden und Praktizierenden fachlich auszutauschen und bietet auch die Möglichkeit technisch am neuesten Stand zu bleiben bzw. Entwicklungen am Markt oder bei Behörden mitzuverfolgen. Noch dazu findet dieser rege Austausch immer in einem sehr netten Rahmen statt! Es ist quasi ein interdisziplinärer Think-Tank, weil oft auch Personen mit nicht (rein) juristischem Hintergrund teilnehmen. Daraus können sich natürlich auch Synergien und Ideen für neue Geschäftsmodelle entwickeln. Die Award-Vergabe liefert einen besonderen Anreiz sich mit neuen Entwicklungen im Rechtsbereich auseinanderzusetzen und motiviert zum wissenschaftlichen Arbeiten. Wir bedanken uns recht herzlich bei Bettina Gegenbauer und Matthias Hudobnik für Ihre Insights und wünschen Ihnen für die Zukunft weiterhin Gutes Gelingen! Ihr Future-Law Team, Sophie Werner & Sophie Martinetz   Sophie Werner PS: Die Einreichfrist für die NextGen Awards läuft noch! Wir bitten mittels Formular bis 21. März  2020 um eure Arbeiten und freuen uns schon sie zu lesen.