Ohne Plan keine KI – Überlegungen zu kleinen Point-Solutions und großen Tools
5. Februar 2026
Immer mehr spezifische Legal Tech-Tools, vor allem auch mit künstlicher Intelligenz, drängen sich auf den Markt. Es scheint sich geradezu für jedes Problem eine Lösung mit künstlicher Intelligenz anzubieten. Ein oder mehrere Tools auszuwählen, die zur Arbeitsweise passen, ist allerdings nicht immer einfach. Der nachfolgende Beitrag ordnet Tools mit künstlicher Intelligenz ein und gibt eine Entscheidungshilfe aus Sicht eines Anwenders, wie Sie das für Sie passende Tool finden, das einen wirklichen Mehrwert liefert.
Ein Beitrag von Andreas Forster, Unternehmensjurist bei SMATRICS und geschäftsführender Gesellschafter von iusbote
KI-Monolith oder einzelnes Tool zur Unterstützung für eine spezielle Tätigkeit?
Die Spanne der KI-Tools reicht von großen, tiefgreifend in die Systemlandschaft integrierten All-in-One-Lösungen für die gesamte Rechtsabteilung inklusive kollaborativem Zusammenarbeiten mit anderen Abteilungen bis zu kleinen Tools, die hochspezialisiert genau einen umrissenen Anwendungsfall abdecken. Erfahrungsgemäß locken All-in-One Lösungen mit großen Versprechen, weitestgehend die Arbeit von Jurist:innen zu komplementieren, während sich kleinere Tools mit Aussagen zu einem genau umrissenen Anwendungsbereich beschränken.
Die All-in-One-Lösungen glänzen dabei oftmals mit diversen Integrationen, welche kollaboratives und
systemübergreifendes Arbeiten ermöglichen und erleichtern sollen. Informationen sollen mühelos von einem System in ein anderes System übertragen werden können und so ein nahtloses Zusammenarbeiten
toolübergreifend ermöglichen. Trotzdem sollte nicht übersehen werden, dass diese Tools eine tiefgreifende Integration in die Systemlandschaft notwendig machen, was sich oftmals in einem Integrationsprojekt niederschlägt, das seine Zeit braucht. Diese Kriterien sind beispielsweise für ein weltweit tätiges Unternehmen von großem Vorteil.
Diese Unternehmen müssen üblicherweise unter anderem diverse Rechtsfragen in diversen Rechtsordnungen lösen und Dokumente gemeinsam mit Kollegen aus verschiedenen Zeitzonen und Regionen erstellen. Hierfür eignet sich eine All-in-One-Lösung sehr gut. Arbeitnehmer:innen sind damit beispielsweise in der Lage, von verschiedenen Standorten in verschiedenen Zeitzonen zu den jeweiligen Arbeitszeiten an einem Dokument zu arbeiten und gleichzeitig durch die KI-Funktionen rechtlichen Input in das Dokument fließen zu lassen.
Auf der anderen Seite stehen kleinere Tools, die für einen speziellen Anwendungsfall eine präzise Unterstützung liefern. Diese Tools bieten oftmals aufgrund der weniger umfangreichen Möglichkeiten
eine sehr intuitive Bedienung und insgesamt messbare Effizienzgewinne. Zusätzlicher Vorteil im Vergleich zu All-in-One-Lösungen ist eine (wesentlich) leichtere Integration in vorhandene IT-Systeme. Viele davon
bedürfen sogar keiner Integration, da sie als isolierte Web-App ausgestaltet sind, wie beispielsweise gängige Rechercheassistenten. So bieten zum Beispiel Assistenten für Rechtsrecherchen in Chat-Form, wie AI:ssociate oder RechtGPT eine sehr gute Möglichkeit, den Einstieg in eine juristische Recherche zu erleichtern.
Das gilt vor allem in Fällen, in denen die juristische Recherche Rechtsgebiete betrifft, die nicht
innerhalb Ihres Schwerpunkts liegen. Diese Lösungen ändern den Arbeitsmodus der digitalen
juristischen Recherche kaum, aber ermöglichen durch die – im Vergleich zu einer Basisrecherche: sehr kurzen Antwortzeiten eine starke Verkürzung der Arbeitszeit, ergo eine hohe Effizienz.
Ein anderes Beispiel sind Monitoring-Lösungen, wie jene von iusbote, die automatisiert neue Rechtsakte überwachen. Die Recherche von neuen Rechtsakten ist eine üblicherweise nicht automatisierte Tätigkeit und nimmt daher viel Zeit in Anspruch. Automatisierte Lösungen bieten den Vorteil, dass eine aktuell sehr zeitaufwändige Tätigkeit von Jurist:innen wesentlich erleichtert und die Effizienz dadurch enorm gesteigert und verbessert wird.
Diese kleineren Tools liefern ohne großen Integrations- oder Konfigurationsaufwand Quick Wins bei gleichzeitig sehr niedrigem Betreuungsaufwand.
Der Schlüssel zum richtigen Tool: Anwendungsfälle finden
Eine klare Empfehlung zu einer der bei den Ansätze ist im Allgemeinen nicht möglich. Wie die Beispiele zeigen, ist daher eine Sache von grundlegender Bedeutung: Den für Sie passenden Anwendungsfall finden, den Sie unterstützt haben möchten.
Zu Beginn einer möglichen Anschaffung eines (KI-)Tools sollte daher die Überlegung stehen, mit welcher Tätigkeit Sie viel Zeit verbringen. Die juristische Arbeit ist vielfältig, von (einfachen) Vertragsprüfungen, bis zur Rechtsrecherche in verschiedenartigen Quellen und Medien. Tätigkeiten, die für Sie viel Zeit in Anspruch nehmen, können in anderen Unternehmen beinahe keine zeitliche Rolle spielen und umgekehrt. Aus dem Bewusstsein über das zeitliche Ausmaß Ihrer Tätigkeiten, kann sich ein Unterstützungsbedarf ergeben. Mitarbeiter:innen von Rechtsanwaltskanzleien verbringen typischerweise sehr viel Zeit für juristische Recherchen und für das Aufsetzen von Schriftsätzen.
Das Wissen um diesen zeitlichen Schwerpunkt oder um das Unterstützungsbedürfnis ist von größter Wichtigkeit bei der Auswahl eines (KI-)Tools. Schließlich sollen KI-Tools Jurist:innen gezielt bei jenen Tätigkeiten unterstützen, bei denen sinnvoll unterstützt werden kann, anstatt (noch) ein Tool einzuführen,
das gepflegt und bespielt werden will und im Endeffekt das zeitliche Pensum von Jurist:innen be- und nicht entlastet.
Der Hidden-Champion in der aktuellen Zeit: Testen!
Ist ein Anwendungsfall gefunden, stellt sich die Frage, welches der vielen Tools am besten passt. Das finden Sie am besten heraus, indem Sie einige Tools testen. Nutzer:innen befinden sich aktuell in der vorteilhaften Lage, dass viele Anbieter um eine relativ geringe Anzahl von Nutzer:innen buhlen. Das verschafft Ihnen als Nutzer:innen den Vorteil, dass Sie üblicherweise Lösungen einen bestimmten Zeitraum lang kostenlos und ohne Einschränkungen testen können.
Nutzen Sie diese Gelegenheit und testen Sie ausführlich verschiedene KI-Tools. Ein ausführlicher Test mit guter Vorbereitung kann Ihnen die Sicherheit geben, die Sie benötigen, um sich für ein KI-Tool zu entscheiden oder aber auch die Erfahrung, dass Sie ein Tool möglicherweise doch nicht benötigen. Wie in vielerlei juristischen Belangen gilt auch hier: Eine gute Vorbereitung erspart im Nachhinein große Mühen.
Über den Autor:

ANDREAS FORSTER
ist Unternehmensjurist bei SMATRICS und geschäftsführender Gesellschafter
von iusbote.