Toolvorstellung: Ally – der KI-Assistent, der den Fall versteht.

Lesezeit: 4 Minuten
von Johannes Aigner


Eine Toolvorstellung von Johannes Aigner über JuridicAlly und den nächsten Entwicklungsschritt von Legal AI in der österreichischen Anwaltschaft: Wie KI vom Dokumentenverständnis zum echten Fallverständnis gelangt und damit eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technologie ermöglicht. Ein Beitrag darüber, wie „Human in Command“ durch lokale Datenverarbeitung, österreichische Rechtskompetenz und integrierte Workflows praktisch umgesetzt werden kann.


Nicht nur Dokumente, sondern Akten: Wie JuridicAlly die KI-Diskussion in der österreichischen Anwaltschaft vom Dokument auf das Fallniveau hebt — und damit „Human in Command“ überhaupt erst ermöglicht.

Die Diskussion um KI in der Anwaltschaft hat sich verschoben. Es geht längst nicht mehr darum, ob Sprachmodelle Texte erzeugen können — das tun sie. Die eigentliche Frage lautet: Verstehen sie auch, woran wir arbeiten? Ein Mandat ist kein Dokument. Es ist eine über Wochen, Monate oder Jahre gewachsene Akte aus Schriftsätzen, E-Mails, Beweismitteln, Protokollen, Aktenvermerken — alles miteinander verschränkt, alles mit Geschichte.

Genau hier setzt Ally an, der KI-Assistent von JuridicAlly. Ally erkennt vorhandene Ordnerstrukturen und bindet sich nahtlos an die in Österreich gängigsten Kanzleisoftwares an. Beim ersten Verbinden eines Aktenordners analysiert Ally jedes Dokument in vier Phasen und baut daraus ein vollständiges Fallverständnis: Sachverhalt, Verfahrensstand, Beweislage, Timeline und nächste Schritte. Erst danach beginnt das eigentliche Gespräch.

Vom Dokument zur Akte

Wer mit Ally arbeitet, fragt nicht „Was steht in diesem Dokument?“, sondern „Wie steht der/die Mandant:in in diesem Verfahren da — und was müssen wir als nächstes tun?“ Ally antwortet mit dem gesamten Kontext der konkreten Akte vor Augen: kennt die Mandant:innen, die Gegenseite, die bisherige Argumentationslinie, die offenen Fristen. RIS-Recherchen lassen sich gezielt aktivieren oder deaktivieren — der/die Anwält:in entscheidet, welche Quellen Ally zur Argumentation heranzieht. Schriftsätze übernehmen den persönlichen Stil des/der Anwält:in: Ally analysiert dafür einmalig vorhandene Texte und lernt typische Formulierungen, Gliederungslogik, Tonfall und Zitierweise.

Vom „Human in the Loop“ zum „Human in Command“

Sophie Martinetz hat den Anspruch jüngst präzise formuliert: Der/die Anwält:in darf nicht nur am Ende abnicken, was die KI vorlegt — er/sie muss die Richtung bestimmen. Genau das setzt voraus, dass die KI den Fall versteht, nicht der/die Anwält:in die KI.

Ally folgt dieser Logik auch architektonisch. Falldaten, Mandant:innendaten, Schriftsätze und Notizen verbleiben lokal in der Kanzlei, in einer Datenbank am Gerät des/der Anwält:in. Für eine konkrete KI-Anfrage werden ausschließlich die dafür notwendigen Inhalte verarbeitet, alles andere bleibt in der Kanzlei. DSGVO und Anwaltsverschwiegenheit sind in JuridicAlly nicht angeklebt, sondern eingebaut. Die Orchestrierungslogik läuft serverseitig in der EU — die juristische Intelligenz von JuridicAlly liegt nicht in einem fremden Sprachmodell, sondern im hauseigenen, eigens für die österreichische Rechtspraxis fein-abgestimmten System.

Drei Module, ein Fallverständnis

JuridicAlly ist keine Sammlung einzelner Tools, sondern eine Plattform. Drei Module greifen ineinander und teilen sich denselben Fallkontext:

  • Ally — die Fallbearbeitungs-Zentrale: Aktensynchronisation, Timeline, Fall-Chat, Personalisierung über das eigene Schreibprofil.
  • BerufungsAgent — automatisierte Erstellung von Berufungen, Berufungsbeantwortungen und Strafrechts-Berufungen direkt aus dem analysierten Fall.
  • RISearch — agentische Recherche im Rechtsinformationssystem: Bundes- und Landesrecht aller neun Bundesländer sowie OGH-, VfGH- und VwGH-Judikatur. Recherchen lassen sich in einen Fall einbinden und werden von Ally berücksichtigt.

Eine Recherche aus RISearch fließt direkt in die Argumentation einer Berufung ein, die der BerufungsAgent verfasst — ohne dass Daten zwischen Werkzeugen kopiert werden müssen.

Gebaut für die österreichische Praxis

JuridicAlly ist kein US-Tool mit deutscher Übersetzung. Die Architektur richtet sich an die österreichische Realität: nahtlose Anbindung an die in Österreich gängigsten Kanzleisoftwares, Live-Anbindung an das RIS, trennscharfe Beachtung von ZPO, StPO und AVG, Fristen-Logik nach österreichischen Verfahrensregeln und Schriftsatzqualität, die mit dem persönlichen Stil des/der Anwält:in trainiert wird. Heute arbeiten österreichische Kanzleien jeder Größe — von dem/der Einzelanwält:in bis zur mehrköpfigen Sozietät — mit JuridicAlly.

Wir sind überzeugt: Die Zukunft der Anwaltschaft gehört nicht jenen, die KI gegen sich arbeiten lassen, sondern jenen, die sie für sich arbeiten lassen — mit voller Kontrolle. Ally ist unser Beitrag dazu.


Über den Autor: 

Mag. Johannes Aigner ist praktizierender Rechtsanwalt und Co-Gründer sowie Geschäftsführer der TBAi Software Solutions GmbH in Innsbruck — dem Unternehmen hinter JuridicAlly. Gemeinsam mit Felix Thöni (CTO) und Karim Bousbia (COO) entwickelt er JuridicAlly zur umfassendsten KI-Lösung für die österreichische Rechtspraxis.


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