Rankings von Anwaltskanzleien und Legal Tech

Für Anwaltskanzleien hat der Aufwand für Rankingsin den letzten Jahren stetig zugenommen. Wir haben mit Raffael Büchi, Owner, Business Development & Knowledge Management bei OWLEGAL, über die Bedeutung der Rankings, über die damit verbundenen Herausforderungen für Anwaltskanzleiensowie über Prozessoptimierung und LegalTech in diesem Bereich gesprochen.

Legal Tech Times: Herr Büchi, braucht es Rankings von Anwaltskanzleien überhaupt? Interessiert sich außer den betroffenen Anwältinnen und Anwälten überhaupt irgendjemand für diese Rankings?
Sind Rankings nicht einfach ein cleveres Geschäftsmodell, gebaut auf dem Ehrgeiz und der Eitelkeit von Anwält*innen, ohne eigentlichen Nutzen für Kundinnen?

Raffael Büchi, OWLEGAL

Büchi: Ja, Rankings von Anwaltskanzleien braucht es und ihre Bedeutung wird weiter zunehmen. Rankings interessieren nicht nur Klienten, sondern auch Korrespondenzkanzleien, potenziellelateral hires und Mitarbeiterinnen.
Klienten und Korrespondenzkanzleien mandatieren zwar in den wenigsten Fällen eine Kanzlei allein aufgrund ihrer Rankings. Sie unterziehen ihre Überlegungen bei der Mandatierung aber einem sanity check, wobei die persönliche Absicherung nicht selten im Zentrum steht: Kann ich meine Wahl einer Kanzlei objektiv begründen? Dies wird insbesondere ein Thema, wenn eine mandatierte Kanzlei die Erwartungen nicht erfüllt. Es wird dann sofort gefragt: Wer um Himmelswillen hat diese Kanzlei ausgewählt und warum?
Von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind Rankings zudem für lateral hires und top talent. Die Besten wollen meist bei den «offiziell» Besten anheuern.
Rankings bringen also durchaus Kundennutzen. Und ja, das simple und clevere Geschäftsmodell der Rankings würde ohne den Ehrgeiz der betroffenen Anwält*innen nicht funktionieren.

Welche Rankings sind wichtig?

Für international ausgerichtete full service-Wirtschaftskanzleien sind die beiden weltweiten Rankings Chambers and Partners und Legal500 wichtig, außerdem für financialandcorporatetransactional work IFLR1000 und für dispute resolution und white collar crimeBenchmark Litigation. Daneben gibt es bedeutende nationale Rankings wie JUVE für Deutschland und Österreich, sowie eine breite Palette von globalenRankings wie GAR Global Arbitration Review oder IP Stars, die sich auf bestimmte practiceareas fokussieren.

Was macht Rankings für Kanzleien so aufwändig?

Der Aufwand für Kanzleien besteht darin, die Rankings jedes Jahr mit einer Unmenge von Daten zu versorgen. Wie diese Daten strukturiert werden müssen, schreiben die Rankings vor. So werden die Kanzleien beispielsweise dazu aufgefordert, detailliert über die Entwicklung ihrer Praxisund über ihre work highlightszu berichten und Referenzpersonen zu nennen. Dabei müssen die Kanzleien für jede der vom Ranking definierten Kategorien (practice areas) – wie beispielsweisefinancial services regulatory, real estate oder corporate M&A – auf einem vorgegebenen Template eine Eingabe (submission) erstellenund eine Liste von Referenzen liefern. Über 50 Seiten starke Submissionssind dabei keine Seltenheit. Größere Wirtschaftskanzleien, die Rankings professionell betreuen, reichen pro größere jurisdiction jedes Jahr zwischen 80 und 100 submissions ein.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Rankings die vorgegebene Strukturierung der Daten immer wieder ändern, wobei geforderte Datenmenge und die Komplexität der Datenstrukturierung für die Kanzleien stetig zunimmt.
Ich kenne kaum eine Kanzlei, in der nicht über den mit Rankings verbundenen Aufwand gejammert wird. Umso mehr erstaunt es mich, dass die wenigsten Kanzleienüber ein Tool für die digitalisierte Sammlung und Strukturierung der von Rankings eingeforderten Daten verfügen, das die automatisierte Erstellung von submissionsermöglicht. Genausoerstaunlich ist, dass die Prozesse für die Beschaffung der für Rankings relevanten Informationenkanzleiintern oft ineffizient organisiert sind.
Mit dem Einsatz der richtigen Technologie und der Optimierung der entsprechenden Prozesse können Kanzleien den Aufwand für Rankings um mehr als die Hälfte reduzieren, bei gleichzeitiger Verbesserung der Qualität der submissions.

Können Sie dies bitte konkretisieren? Welche Tools eignen sich für den effizienteren Umgang mit Rankings und welche Prozessanpassungen schlagen Sie im Zusammenhang mit Rankings vor?

Das einzige Tool, das auf die spezifischen Anforderungen von Rankings zugeschnitten ist, ist das österreichische Legal Tech Tool LAWRENCE. Es dient der zentralen elektronischen Ablage und dem Management aller marketingrelevanten Informationen und Prozesse einer Kanzlei. LAWRENCE zieht bereits bei der Datenerfassung die Anforderungen der Rankings mit ein und macht es möglich, die Daten so zu strukturieren, wie dies jedes Ranking vorschreibt. Damit können mit dem Toolsubmissionsund Referenzlisten für alle wichtigen Rankingsautomatisiert erstellt werden. Man merkt sofort, dass das Tool von Leuten entwickelt wurde, welche die mit Rankings verbundenen Herausforderungen im Detail kennen. LAWRENCE ist LegalTech für Praktiker*innen im Bereich Legal Marketing und Business Development.Andere Toolsfür das Management marketingbezogener Daten und Prozesse, wie zum Beispiel Salesforce, sind zwar ebenfalls mächtig, aber in ihren Funktionalitäten nicht spezifisch auf Legal Marketing und Rankings ausgerichtet. Es braucht darum bei der Implementierung aufwändiges customizing, bevor sich mit solchen Tools submissions automatisch erstellen lassen, um ein Beispiel zu nennen.

Zum Schluss noch eine allgemeine Frage: Welche Erfolgsfaktoren sind Ihrer Erfahrung nach bei der Implementierung von LegalTech entscheidend?

Als Erstes möchte ich betonen, dass die Implementierung von LegalTech in Anwaltskanzleien fast immer aufwändiger ist, als der Hersteller uns weismachen will. Die Kund*innen sind darum gut beraten, für die Implementierung genügend Zeit einzuplanen und Ressourcen bereitzustellen.
Dies vorausgestellt, müssen für eine erfolgreiche Implementierung von LegalTech folgende Voraussetzungen gegeben sein. Erstens: Das Tool löst in einem klar definierten Bereich konkrete, praktische Probleme von Kund*innen auf überzeugende, moderne und benutzerfreundliche Weise. Zweitens: Das Fundament der Technologie und die Perspektiven für die Weiterentwicklung sind solide und professionell. Drittens: Der Implementierungsprozess muss relativ einfach und mit wenig customizing verbunden sein und von erfahrenen Berater*innen mit Branchen-Know-how unterstützt und begleitet werden. Viertens: Die im Anwendungsbereich eines Tools am meisten geachteten Expertinnen und Experten müssen bei der Nutzung des Tools vorangehen. Bei Anwaltskanzleien bedeutet dies konkret, dass sich Partner am ehesten von anderen Partnern überzeugen lassen, ein neues Tool auch wirklich einzusetzen.

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