Sind agile Methoden auch etwas für mich?

Das agile Management bestimmt schon seit Jahren das Gespräch rund um die Unternehmensorganisation. Also scheint die Implementierung agiler Methoden für viele Unternehmen zu funktionieren. Wie kann aber verhindert werden, dass die falschen Methoden im eigenen Unternehmen eingeführt werden?

Viele schwärmen von den Vorzügen des agilen Managements. Da kann es schon verlockend sein, auch auf das agile Pferd aufzusteigen und die Organisationsform zu wechseln. Dadurch ist nicht immer sichergestellt, dass die Arbeitsweise auch zum Unternehmen passt. Deshalb sollte man bevor man diese Entscheidung trifft sich Zeit nehmen und die folgenden Punkte kritisch hinterfragen:

  1. Die aktuellen Werte, Überzeugungen und Führungsmodelle

Sind Sie davon überzeugt, dass Menschen gerne freiwillig arbeiten? Sollte die Antwort „Nein“ sein, sind agile Methoden wohl (noch) nichts für Sie. Andernfalls werden früher oder später Schwierigkeiten in der Organisation auftauchen. Denn die Agilität bedeutet auch, dass auf Bestrafung und Kontrolle beruhende Unternehmensrituale ausgedient haben.

  1. Welches Problem wollen Sie lösen?

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Implementierung agiler Modelle hinein? Welche Probleme gilt es zu lösen? Agile Methoden sind nämlich vielmehr die Lösung für ein Problem als ein Selbstzweck. Deswegen sollten Probleme und Herausforderungen der aktuellen Organisationsform transparent gemacht werden und der Einsatz agiler Methoden danach bewertet werden, wie die sie die aktuelle Situation und die aktuellen Probleme verbessern können.

  1. Verstehen Sie Kunden, Customer Journeys und Nachfrage

Vor der Anwendung agiler Methoden ist es wichtig, diese Arbeitsweise zu verstehen. Es passt nämlich nicht jedes agile Modell zu jeder Arbeit. Beispielsweise ist Scrum nicht die richtige agile Vorgehensweise, wenn Sie Ihre Aufgaben nicht selbstständig planen, sondern die zu erledigende Arbeit von außen an Sie herangetragen wird – wie es bei Dienstleistungen der Fall ist. Deswegen ist es wichtig auf den Kontext zu achten, in dem die agile Methode eingesetzt werden soll. Kann die Arbeit selbständig geplant werden oder werden Ihnen Anforderungen von außen auferlegt? Wie steht es um die Wertschöpfung des Unternehmens? Die Strategie? Das Geschäftsmodell? Erst nach diesen Überlegungen kann eine sinnvolle Aussage darüber getroffen werden, welche agile Methoden für Ihr Unternehmen sinnvoll sind.

  1. Vertrauen Sie dem Prozess

Sobald die Entscheidung für ein agiles Modell getroffen wurde, sollten Sie Vertrauen in den zugehörigen Prozess legen. Im Grunde basieren alle agilen Methoden nämlich auf der Idee der kontinuierlichen Verbesserung. Diese Verbesserungen sind ein inkrementeller Bestandteil von agilen Prozessmodellen. So werden also kontinuierlich der inhaltliche Fortschritt und die Qualität der Zusammenarbeit reflektiert. Also bleibt man am besten diesem Prozess treu und vertraut darauf, dass es immer bergauf geht. So auch der agile Grundtenor: Was noch nicht gut ist, ist noch nicht fertig.

Einstellung ist alles

Für den Erfolg in digitalen und dynamischen Märkten sind agile Methoden ein unverzichtbares Stilmittel. So zeichnen sich agile Methoden durch ein hohes Maß an Prozesstreue, klare Strukturen und Kommunikationsrituale aus. Die agilen Werte wie Freiwilligkeit, Selbstverpflichtung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen bestimmen die Zusammenarbeit.

Dennoch sind agile Methoden kein Selbstzweck. Vor der Einführung agiler Methoden ist es ratsam, sich selbst immer wieder zu fragen, wofür die Methode eingesetzt werden soll und was das schlussendliche Ziel ist. Passt also die Art der Arbeit zum agilen Modell und es wird im Unternehmen eine hohe Prozesstreue gelebt, ist der Erfolg von agilen Methoden immer nur eine Frage der Einstellung und dazu zählt auch Ihre.

 

Vielleicht auch interessant:

Basics des agilen Managements

Woher kommt die Agilität eigentlich?