Telefonieren, Gespräche, Gestik: Aber was ist Kommunikation wirklich?

Kommunikation begleitet uns alltäglich auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Dabei gibt es zum einen scheinbar offensichtliche Kommunikationsmittel wie Gespräche und Diskussionen mit den Kolleg*innen, der Familie oder auch den tierischen Mitbewohner*innen.
Andererseits stellt jeder Kontakt mit einem Medium auch einen Kommunikationsakt dar. Das bedeutet auch, dass das Binge-Watching der neuesten Netflix-Serie in gleicher Weise Kommunikation darstellt wie das Verfolgen des politischen Tagesgeschehens in der Pendler- oder Qualitätszeitung, Radio oder der ZiB. Allein diese Beispiele zeigen bereits wie vielfältig die Kommunikation sein kann. Hier erfahren Sie, warum Kommunikation kein Austausch ist und wie es bei Projekten häufig zu Missverständnissen kommt.

Zur Vielfalt der Kommunikationsarten kommen noch die steigenden Volumina der Kommunikation in den letzten Jahren hinzu. Das ist natürlich nichts Neues. Abgesehen von der rein mündlichen Kommunikation mit einigen wenigen Personen, für die das Gehirn des Menschen entwickelt ist, können wir nun mit beinahe der ganzen Welt kommunizieren. Genau das merken wir auch immer drastischer. Neben dem vollen E-Mail-Postfach warten jetzt auch eine Menge Nachrichten im LinkedIn-Chat, im Messenger, im unternehmensinternen Chat usw. Ein Reiz jagt den nächsten, die Nachrichten überfliegen wir meist nur noch, weil dann bereits die nächste interessante Schlagzeile lockt. Richtig hängen bleibt dabei aber nichts. Doch ab und zu nimmt man sich dann doch noch Zeit für wirklich interessante Themen und lernt dann etwas Neues dazu. So wie in diesem Beitrag 😉 Denn hier lernen Sie mehr darüber, was denn eigentlich hinter dieser Kommunikation steckt.

Kommunikation ist kein Austausch

Gleich zu Beginn muss eines klargestellt werden: Alltagssprachliche Metaphern wie Tausch, Transport und Verkehr sind hier fehl am Platz. Denn anders als bei materiellen Gütern wie beispielsweise einem Block Papier oder einer Tasse Kaffee behält auch der Sender die Information. Das bedeutet, dass Botschaften, Inhalte, Aussagen oder Gedanken zwar von einer Person mit einer anderen geteilt werden, die teilende Person aber noch immer die Information behält. Stellen Sie sich das in etwa so vor: Ihre Chefin bespricht mit Ihnen die Ziele für das kommende Quartal. Dabei gewinnen Sie neue Informationen, nehmen diese Ihrer Chefin aber nicht weg – sie weiß also nach wie vor, was geplant wird. Sollten bei diesem Gespräch allerdings Kekse am Tisch stehen und Sie nehmen sich einen dieser Kekse, kann Ihre Chefin diesen Keks nicht mehr essen. Durch das Gespräch hat Ihre Chefin etwas mit Ihnen – gemäß der lateinischen Bedeutung von communicare – geteilt und nicht nur übermittelt. Also entsteht durch die Kommunikation etwas Gemeinsames. Sie wissen nun über die Ziele für das kommende Quartal Bescheid. Den Transport per se würden wir viel eher bei den Keksen sehen: Sie konnten einen guten Keks essen, den Ihre Chefin nun nicht mehr besitzt.

Das gleiche Spiel zeigt sich auch bei den Massenmedien. Wenn ein Verlag eine Tageszeitung herausgibt und diese von vielen Menschen gekauft wird, findet zwar ein materieller Transport von bedrucktem Papier statt, Kommunikation sucht man aber noch vergebens. In diesem Sinne ist der Transport der Zeitung nur die notwendige Bedingung, um Kommunikation zu ermöglichen. Denn erst, wenn die Käufer*innen beginnen, die Zeitung zu lesen, kann die Redaktion den Leser*innen etwas mitteilten. Das heißt also, nur weil Sie die neueste Legal Tech Times bei Ihnen auf dem Tisch liegen haben, können wir noch lange nicht unsere Botschaften mit Ihnen teilen. Sobald Sie aber – so wie jetzt gerade – interessante Artikel lesen, haben wir dieses Ziel erreicht. Somit stellen Übermittlung, Tausch und Transport lediglich Voraussetzungen für erfolgreiche Kommunikation dar.

Das bemerken wir auch am Beispiel der Tageszeitung: Ohne materiellen Transport und den Tausch von Geld gegen die Zeitung ist Kommunikation nicht möglich. Deswegen ist die Unterscheidung zwischen dem Kauf und dem Lesen der Tageszeitung notwendig. Schwieriger fällt die Differenzierung bei anderen Medien, die keinen materiellen Träger benötigen. Beispielsweise funktioniert die zwischenmenschliche persönliche Kommunikation genauso wie ein Telefonat oder die Radio-Übertragung ohne materiellen Transport. Die hierfür notwendige Übermittlung erfolgt anhand elektromagnetischer Wellen wie Schallwellen und Strom. Eine hinreichende Voraussetzung für die Mitteilung ist es allerdings nicht.

Wie entsteht Kommunikation?

Nun wissen wir also, dass man in der Kommunikation teilt und nichts austauscht. Was ist nun also Kommunikation? Der deutsche Kommunikationswissenschaftler Klaus Beck beschreibt es im ersten Kapitel seines Buchs „Kommunikationswissenschaft“ wie folgt:

„Menschliche Kommunikation ist derjenige Zeichenprozess, der sich aus dem wechselseitig aufeinander bezogenen (interaktiven) und absichtsvollen (doppelte Intention) kommunikativen Handeln von mindestens zwei Menschen (Kommunikanten) entwickeln kann. Auf der Grundlage einer materiellen (Transport von Datenträgern) oder immateriellen Übermittlung (Übertragung, Sendung) von Signalen (Reizen, Daten) findet eine Vermittlung von Bedeutungen (soziale Konstruktion von Sinn) statt, wenn die Kommunikanten aufgrund ihres gemeinsamen biologischen Erbes (kognitives System) sowie ihrer Sozialisation und Enkulturation (Erziehungs- und Lernprozesse) hinreichend ähnliche Informationen konstruieren, über einen gemeinsamen konventionalisierten Zeichenvorrat (Ikone, Symbole) verfügen und so ihr Wissen mit(einander)teilen.“

Beck, 2020 S. 33

Das mag jetzt etwas komplex wirken, doch Beschrieben wird einfach ein Prozess, den wir mehrmals täglich vollziehen. Im Grunde braucht es mindestens zwei Personen, die miteinander kommunizieren möchten. Die Form der Kommunikation kann anschließend gewählt werden. Dafür kann es zu einer materiellen oder immateriellen Übermittlung kommen. Erstere schafft meistens keine sofortige Antwort auf diesem Weg, weil ein Datenträger transportiert werden muss. Denken Sie beispielsweise an einen Brief: Erst nach Erhalt, Öffnung und Lesen können Sie darauf antworten. Möchten Sie nun mit einem weiteren Brief antworten, können Sie auch nicht direkt mit einer Antwort rechnen. Daher ist die Kommunikation asynchron. Bei einem persönlichen Gespräch ist das anders. Hier kann sofort geantwortet oder sogar ins Wort gefallen werden. Das wäre ein Beispiel für synchrone Kommunikation. Die Reize und Signale stammen etwa aus dem Text, den Bildern des Briefes oder den Worten, der Mimik und Gestik während des Gesprächs. Basierend auf diesen Zeichen (die Sammlung unserer Kenntnisse, Erfahrungen, Gesten, Mimik etc.) findet die Interpretation statt. Dieser Prozess funktioniert besonders gut, wenn man aus demselben Kulturkreis oder derselben Branche stammt. So werden die entsprechenden Zeichen (z.B. Gesten) richtig interpretiert oder Abkürzungen richtig verstanden.

Stellen Sie sich nochmals das Gespräch mit Ihrer Chefin vor. Anhand der Wortwahl, der Gestik und der Mimik werden Sie das von Ihnen gewünschte Handeln und die Dringlichkeit dessen einschätzen. Dabei ist es wahrscheinlich, dass sie unternehmenstypische Abkürzungen verwendet, die Sie – weil Sie ebenfalls in der Unternehmenskultur eingebettet sind – auch problemlos verstehen. Wenn Sie nun in ein neues Unternehmen kommen, müssen Sie sich erst langsam die genutzten Zeichen erarbeiten. Sie lernen, wie sich die Mitarbeiter*innen verhalten, welche Kommunikationswege gepflegt werden, in welchem Ton miteinander in welcher Situation gesprochen wird, ob viel gescherzt wird und noch vieles mehr. Sobald Sie eingearbeitet sind und all diese Zeichen richtig deuten und einsetzen können, hat sich Ihr Zeichenvorrat an den Ihrer Kolleg*innen angepasst. Daher nutzen Sie dieselben Phrasen, Begriffe und kommunizieren auf dieselbe Art. Dieser Prozess wird auch mit der Grafik von Aufermann verdeutlicht.

Für Externe ist das wiederum die Schwierigkeit. Denn ihr Zeichenvorrat ist nicht auf den Ihres Unternehmens oder gar Ihrer Branche angepasst. Dieselben Wörter oder Sätze können komplett unterschiedlich interpretiert werden. Genau aus diesem Grund kann es bei Projekten, wie etwa der Implementierung eines Legal Tech Tools, zu vielen Missverständnissen kommen. Die IT-Dienstleister*innen verstehen dann beispielsweise unter Ihrer Vorgabe etwas anderes oder können sich nicht vorstellen, was genau Sie wissen möchten. Deswegen ist es bei solchen Projekten zum Einen wichtig, dass man klar und sehr genau beschreibt was man erreichen möchte und auch den Partner*innen eine Chance gibt, die abzubildenden Workflows etc. zu verstehen. Also gehen Sie die Schritte gemeinsam und langsam durch. Stellen Sie sich am besten vor, dass Sie erst beginnen, in einem neuen Unternehmen zu arbeiten und noch dabei sind, alles zu lernen. Dann tauschen Sie auch keine Information mehr aus, sondern teilen sie.

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