“KI soll unterstützen, nicht entscheiden”

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Future-Law Gründerin Sophie Martinetz ist auf dem Cover der aktuellen Ausgabe des Magazins Future of Law and Finance (Beilage der Zeitschrift “Der Standard”). Im Interview spricht sie darüber, wo KI im Rechtsmarkt tatsächlich ansetzt, warum die Wahl des richtigen Tools eine strategische Frage ist und weshalb mehr Frauen an den Entscheidungstisch gehören.

Wo die Zeit wirklich hingeht

Eine Zahl aus dem Interview bringt die KI-Debatte auf den Punkt: Bei Versicherungen dauert die Bearbeitung eines Falls im Schnitt rund 27 Minuten. Nur etwa fünf Minuten davon entfallen auf die juristische Bewertung. Der Rest ist Suchen, Zusammentragen, Übertragen und Aufbereiten.

Daraus ergibt sich eine klare Reihenfolge. Zuerst geht es um die 22 Minuten: saubere Workflows und KI, die Informationen aus verschiedenen Systemen zusammenführt, E-Mail-Verläufe auswertet und Sachverhalte aufbereitet. Hier liegt das größte und am schnellsten hebbare Potenzial. Erst dann kommen die fünf Minuten juristische Bewertung. Und dort entscheidet die Qualität, denn eine Zeitersparnis nützt nichts, wenn das Ergebnis juristisch nicht hält.

Die Toolwahl ist keine IT-Frage

Wenn Future-Law KI-Tools an realen juristischen Use Cases vergleicht, zeigen sich erhebliche Qualitätsunterschiede, etwa bei Recherche und Vertragsanalyse. Welches Tool für die juristische Bewertung eingesetzt wird, ist deshalb eine strategische Entscheidung.

Orientierung geben die Maps von Future-Law. Die Legal Tech Map Deutschland ist soeben erschienen und zeigt, welche Lösungen es am Markt gibt. Die KI-Map folgt in den nächsten Wochen.

Sichere Tools statt Wildwuchs

„Was ich nicht mit Geld bezahle, bezahle ich mit meinen Daten.“ Wer seinen Mitarbeiter:innen keine sicheren Tools zur Verfügung stellt, darf sich nicht wundern, wenn sie sich selbst welche suchen.

In zehn Jahren reden wir nicht mehr über KI

„KI wird eine Basistechnologie sein, so selbstverständlich wie heute E-Mail oder Textverarbeitung“, sagt Sophie Martinetz im Interview. Technologie werde oft kurzfristig überschätzt und langfristig unterschätzt. Viel wird automatisiert werden, von der händischen Ablage bis zum Übertragen von Informationen aus PDFs. Die juristische Evaluierung im konkreten Einzelfall bleibt aber wertstiftend. Für Seniors ist KI rasch ein Mehrwert. Wie Juniors künftig das nötige Erfahrungswissen aufbauen, muss sich erst zeigen.

Frauen, Daten und der Hebel für kleine Kanzleien

KI lernt aus vorhandenen Daten, und diese sind ein Abbild unserer Gesellschaft. Sind Frauen in technologischen Entscheidungsprozessen unterrepräsentiert, werden bestehende Verzerrungen fortgeschrieben. Mit Women in Law setzt sich Sophie Martinetz seit zwölf Jahren dafür ein, Frauen zu vernetzen und sichtbarer zu machen. Gleichzeitig bietet KI gerade kleineren Kanzleien einen enormen Hebel, um mit größeren Einheiten mitzuhalten. Diese Chance gilt es aktiv mitzugestalten.

Ihr Fazit: KI soll unterstützen, nicht entscheiden.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von Future of Law and Finance

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