Welchen Legal Tech Mehrwert gibt es schon heute für Anwält*innen, Herr Pichler?

Im Gespräch mit Wolfgang Pichler von der Manz’schen Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH diskutierten wir über die Themen Entwicklung des Rechtsmarktes im Bezug auf die Digitalisierung, den Mehrwert für Anwält*innen und bereits gut etablierte Legal Tech Lösungen.
Sophie Martinetz: Herr Pichler, in welchen Bereichen gewinnt die Digitalisierung / Legal Tech im Rechtsbereich aus Ihrer Sicht am meisten an Bedeutung?

Wolfgang Pichler: Auf jeden Fall in der Urform von LegalTech, der Nutzung von Rechtsdatenbanken, das ergibt sich schon durch die Anforderung des Home-Office. Weitere Schwerpunkte sind digitale Kommunikation mit Mandanten, Schaffung von Standardprodukten und Dokumentautomatisation. Im Bereich großer Rechtsabteilungen sind Systeme zur digitalen Prüfung von Verträgen wie das österreichische ds.jaasper.com ein Thema, und größere Transaktionen sind ohne e-discovery-Systeme nicht mehr vorstellbar.

SM: Ja, das sind gute Entwicklungen, aber welchen Mehrwert bringen diese Entwicklungen dem einzelnen Anwält*in?

WP: Zum Beispiel in der Vorbereitung von Mandantenterminen: Mandant gibt relevante Parameter über die Website des Anwalts ein, aus den Angaben erstellt das System im Hintergrund bereits erste Dokumententwürfe und hebt dadurch das eigentliche Mandanten-Erstgespräch schon auf eine höhere Stufe. Derartige Prozesse sind für häufig vorkommende Causen ziemlich einfach zu etablieren; gleichzeitig sind sie ein willkommener Beitrag zur Qualitätssicherung.

SM: Qualitätssicherung ist einer der wesentlichen Faktoren. Nur noch kurz gefragt: Was können Anwält*innen heute schon einfach umsetzen?

WP: Ganz einfach zu etablieren ist heute – nach der Änderung der RL-BA – eine sichere Kommunikation mit Mandanten über zertifizierte Cloud-Dienste wie die Manz Cloud. Irrtümlich versendete Mails sind dann vom Tisch. Aber auch die oben angesprochene Standardisierung von Dokumenten ist mithilfe von Standardprodukten leicht realisierbar, am kostengünstigsten über eine Cloud-Lösung, auf Wunsch aber auch auch on premise.

Sophie Martinetz ist Gründerin und Managing Partner von Future-Law, einer unabhängigen Plattform für Legal Tech.