What’s New bei Legal Tech für AnwältInnen, Herr Katanic?

Lieber Herr Katanic, Sie sind Chief Operating Officer und Head of Project Management & Support bei JUREXPERT. Das ist eine große Aufgabe, die viel Kundenkontakt mit sich bringt. Meine erste Frage ist: In welchen Bereichen gewinnt die Digitalisierung im Moment am meisten an Bedeutung?

Vladan Katanic: Momentan steigt der Grad des Einsatzes von Legal Tech Tools jeglicher Art in der Rechtsbranche. Dieser Trend wurde durch die COVID-19 Pandemie beschleunigt, aber dürfte darüber hinaus anhalten und stetig wachsen. Viele AnwenderInnen orientieren sich aktuell noch, welches Tool oder welche Kombination von Tools für sie am gewinnbringendsten ist. Die Bereiche, die momentan am meisten angefragt werden, sind jene, die einen Bezug zu der durch COVID-19 veränderten Arbeitswelt haben. Das sind einerseits Tools, die einen Bezug zur dezentralen Arbeitsverrichtung haben, sprich Lösung, die die Arbeit im Home Office und von unterwegs erleichtern und andererseits Tools, die die Arbeit in Rechtsgebieten wie Arbeits- und Insolvenzrecht, die eine durch COVID-19 bedingte höhere Nachfrage erleben, unterstützen. Kollaborationssoftware, Rechercheunterstützung und Analysetools sind aktuell sehr gefragt.

Sophie Martinetz: Das ist ein breites Feld – welchen Mehrwert können sich die AnwältInnen aus diesen Entwicklungen erwarten?

Vladan Katanic: Alte Arbeitsweisen neu zu denken, bietet ein hohes Potential für das Schaffen von Mehrwert. Der Legal Tech Markt ist verhältnismäßig neu und wächst rasant. Durch die Möglichkeiten, die einem geboten werden oder durch die eigene Kreativität beim Hinterfragen alter Workflows entstehen neue Ideen. Der Einsatz zeitgemäßer Tools und Workflows vereinfacht Arbeitsprozesse und spart Zeit. Zusätzlich bietet das die Möglichkeit den eigenen KlientInnen gegenüber moderner aufzutreten, wenn man beispielsweise an den Einsatz von Kollaborationsplattformen, etc. denkt.

Sophie Martinetz: Also die Zukunft bringt einiges – aber was können AnwältInnen heute schon einfach umsetzen?

Vladan Katanic: Die meisten AnwältInnen haben sich spätestens in den letzten sechs Monaten für ein Produkt für Videokonferenzen entschieden und setzen es vermutlich regelmäßig ein. Lösungen für die automatisierte Vorabprüfung von Dokumenten, für den sicheren Austausch von Dokumenten und für die digitale Signatur könnten die nächsten Schritte in auf Videokonferenzen aufbauenden Workflows darstellen. Aus unserer Sicht können wir natürlich empfehlen sich auch mit den Möglichkeiten bereits bestehender Produkte auseinanderzusetzen. Unsere mobile XPERT App, die auf sichere Art und Weise (unter anderem) den Zugriff auf Dokumente von unterwegs erlaubt, sowie unsere Webeinsicht für KlientInnen wurden in den letzten Monaten häufig angefragt. Ebenso haben wir bereits Produkte von Legal Tech Start-Ups in XPERT eingebunden. Dazu erzählen wir allen interessierten LeserInnen auf der Legal Tech Konferenz gerne mehr.

Sophie Martinetz: Ich danke für das angenehmen Gespräch.

Vladan Katanic ist auch Speaker bei der Future-Law Legal Tech Konferenz am 11.Nov. 2020 – www.legaltech.future-law.at