5 Tipps für angehende LegalTech-GründerInnen

Der florierenden Legal Tech Markt lockt immer mehr GründerInnen. Dieser Beitrag gibt all jenen, die diesen Schritt wagen möchten, fünf Tipps, um mehr Erfolg zu haben.

Das lukrative Legal Tech Business lockt immer mehr GründerInnen an und das nicht ohne Grund: Kanzleien suchen nach passenden Lösungen, die Automatisierung durch KI vereinfacht viele Aspekte und die hohen Investments in Legal Tech Unternehmen finden noch kein Ende. Zusätzlich dazu wird der Drang zu einem digitaleren Recht durch die Pandemie noch beschleunigt. Deswegen ist die Prognose für das Wachstum und das Potenzial besonders hoch.

Datenmanagement nicht vernachlässigen!

Bevor Arbeitsschritte automatisiert werden ist es für angehende LegalTech GründerInnen wichtig zu wissen welche bestehenden Prozesse verbessert werden müssen. Dazu benötigt man Daten oder besser gesagt Zahlen. Diese Daten sammelt man etwa mit der Zeitmessung von Prozessen. Hilfreich ist dabei einen Fokus zu legen. So könnte beispielsweise im Sales oder den Operations besonders viel Verbesserungspotential liegen. Entscheidend ist, in welchem Bereich der Effizienzgewinn und die Zeitersparnis am größten sind, wenn intelligente Automatisierung eingesetzt wird.

Das Datenmanagement ist auch für Legal Techs das A und O. Denn ohne gesammelte Daten kann KI nicht eingesetzt werden. Dafür gibt es am Markt einige Tools. Empfehlenswert ist die Wahl eines datenschutzkonformen Anbieters aus Europa, um späterer Migration zu entgehen.

Frühzeitige Informationen über Compliance einholen!

Compliance-Hürden sind im rechtlichen Umfeld nicht selten. Besonders wenn man die Services direkt anbietet sollte man sich im Vorhinein über die Zugangsschranken zum jeweiligen Markt informieren. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Rechtsgebiet. Deswegen sollte man sich ausreichend Zeit nehmen und sich Auskunft bei mehreren AnwältInnen einholen. Mit dem einmaligen Aufwand gewinnt man wichtige Informationen über Grauzonen und Verbote und überprüft zugleich, ob das geplante Geschäftsmodell auch praxisfähig ist.

In jedem Fall ist es vorteilhaft eine*n JuristIn in den eigenen Reihen zu haben. Dabei sollte man aber darauf achten, dass die Person Expertise im eigenen Fachbereich hat. Denn für ein Datenschutz-Start-up bringt ein Jurist ohne Praxiserfahrung im Datenschutzbereich weniger Mehrwert als ein Fachanwalt im Datenschutzrecht.

Plane branchenübergreifend!

Gerade die sich annähernde Branche Insure Tech bietet sehr viel Potenzial, um zwei Märkte auf einmal zu innovieren. Je weiter die Automatisierung voranschreitet und mit echten Datensätzen gefüttert wird, desto genauer werden die Ergebnisse. So eignet sich Legal Tech neben Rechtsservices auch immer besser für einen Versicherungsersatz.

Dementsprechend kann die Versicherungsbranche ein Hebel für Zusatzgeschäfte sein und das ohne zwingend eine eigene Versicherung aufbauen zu müssen. Weitaus vielversprechender ist es, mögliche KooperationspartnerInnen zu finden. Zum Beispiel könnte eine strategische Partnerschaft so aussehen: Für Versicherte fällt eine geringere Prämie an, wenn sie die Legal Tech Lösung einsetzen. So entstehen attraktive Kombiangebote und gerade im Vertrieb viele Vorteile. Deswegen ist es lohnenswert die Potenziale mit den bestehenden Playern auf dem Markt auszuloten und diesen den Mehrwert einer Zusammenarbeit aufzuzeigen.

KundInnen statt Buzzwords!

Am Start des Unternehmens kann ruhig auf Hype-Technologie wie Blockchain oder KI verzichtet werden. Wichtiger ist es, die Wünsche der KundInnen zu erfüllen, die time to market kurz zu halten und sich so Vertrauen bei der Kundschaft zu verdienen.

Mit den KundInnenwünschen im Fokus können sehr wichtige Erlöse eingefahren werden. Deswegen ist es zu Beginn besser die knappen Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Es ist besser, zuerst einen händischen MVP zu verwenden und danach den Prozess zunehmen zu automatisieren, als in der Euphorie der neuen Technologie zu versinken. Also am besten distanziert man sich immer wieder von der Produkt-Verliebtheit und arbeitet die wirklichen Bedürfnisse der KundInnen heraus.

Ob die Nachfrage nach einer Hype-Technologie im jeweiligen Rechtsbereich groß genug ist, kann das Suchvolumen zeigen. So kann der potenzielle Markt ausgemacht und beurteilt werden, ob eine langfristige Geschäftstätigkeit möglich ist. Ebenso sollte ein Auge auf das internationale Umfeld gerichtet werden, denn die Konzentration auf einen einzigen Markt ist mit den hohen Fixkosten nicht sinnvoll. Auch der regelmäßige Austausch mit anderen GründerInnen hilft dabei, Tech Trends nicht zu verpassen

Berücksichtige das B2B-Geschäft!

Obwohl viele Legal Tech Unternehmen im B2C-Geschäft verankert sind bietet B2B große Wachstumschancen (ca. 6 Mrd. Dollar Umsatz in Europa 2025). Auch hier zeigt sich ein negativer Trend: AnwältInnen werden durch die Digitalisierung der Kanzlei ersetzt.

Zu den großen Vorteilen im B2B-Geschäft zählen die langfristigen Verträge und der virale Effekt. Dem zufolge bringt ein*e B2B-NutzerIn meist mehrere andere dazu, die Lösung auch zu nutzen. Es zeigt sich ein Domino-Effekt: Wenn einer kauft, kaufen alle. Der Mehraufwand für längere Beratung und Erklärungen lohnt sich aber. Denn die Umsätze pro KundIn sind im Vergleich zum Endkundengeschäft wesentlich höher.

Allerdings sollte man sein Geschäftsmodell nicht nur auf monetäre Interessen ausrichten. Vor allem die Typfrage ist entscheidend: Passt das GründerInnen-Profil eher dazu komplexe B2B-Themen zu erklären oder bei B2C schnelle und unkomplizierte Lösungen zu vermarkten? Damit man besser weiß in welche Kategorie man gehört, sollte man sich die Einschätzung Anderer einholen.