Der Mehrwert von Legal Techs für den Markt

Die Automatisierung von Dokumenten wird durch eine Vielzahl an Legal Techs angeboten. So stellen sich die Fragen: Tummeln sich zu viele Startups im Legal Tech Bereich? Brauchen wir so viele Lösungen? Wäre Innovation auch ohne Startups möglich?

Die Rechtsbranche hat in den letzten Jahren viele Entwicklungen hinter sich: Verträge können automatisiert und digital unterzeichnet werden, Dokumente mittels professioneller Plattformen gemanagt werden und das ganze Unternehmen kann gemeinsam in einer Plattform arbeiten. Viele dieser Errungenschaften sind auf die Bemühungen innovativer Startups zurückzuführen. Das bemerkten natürlich auch andere potentielle GründerInnen und zogen mit verbesserten Versionen bestehender Tools nach. Mittlerweile gibt es so viele Startups und Tools, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Welche Rolle spielen also Startups in den Innovationen der Rechtsbranche?

Über kurz oder lang wären solche Technologien von großen Unternehmen wie Thomson Reuters oder LexisNexis als die großen InnovatorInnen der Branche aufgestiegen. Beispielsweise hätten sie dann den Rechtsabteilungen und Anwaltskanzleien vereinfachten Zugang zu ihren riesigen Bibliothekskatalogen ermöglicht. Aber ohne den Druck der Startup-Konkurrenz und das daraus resultierende Interesse hätten diese großen Unternehmen nicht in Startups investiert oder sogar ihre eigenen Tools entwickelt.

So müssten Legal Professionals immer wieder daran erinnert werden, welche Vorteile die Automatisierung und die Nutzung von Vorlagen für ihre täglichen Aufgaben hätte oder selbst in Tools investieren, um ihre Kanzlei bzw. Rechtsabteilung besser und wertvoller zu machen. Ebenso wenig würde es ohne den Startup-Druck Legal Tech Inkubatoren oder Heads of Innovation in Kanzleien geben. Auch themenspezifische Konferenzen wären ein Fremdwort.

Der von den Legal Techs ausgehende Druck war es auch, der die etablierten Unternehmen dazu gezwungen hat, sich anzupassen und weiterzuentwickeln. Diese Veränderungen passierten also nicht freiwillig, sondern waren notwendig, um keine bestehenden Wettbewerbsvorteile zu verlieren.

Also halten Legal Techs den Markt lebendig, frisch und verjüngen die sonst teils angestaubte Branche zunehmend. Diese Entwicklung ist ein Vorteil für die ganze Branche und das obwohl der Wandel erst beginnt und noch lange nicht abgeschlossen ist.

Etablierte Unternehmen können, (wollen aber nicht zwingend) innovativ sein

Trotzdem bedeutet das nicht, dass Großunternehmen nicht innovativ sein können. Sobald ein großes Unternehmen wieder damit beginnt innovativ zu sein und in Technologien zu investieren, die das eigene Geschäftsmodell von Grund auf verändern, steht der Innovation nichts im Weg.

Der springende Punkt ist, dass der Markt die Startups und Scaleups benötigt, um weiter voranzukommen, weil sie ansonsten wieder langsamer werden. Anders als der Verbrauchermarkt für Softwarenanwendungen, möchten die meisten JuristInnen nicht etwas völlig Neues oder Aufregendes. Diese Einstellung stammt davon, dass dieselben gut funktionierenden Tätigkeiten wie in der Vergangenheit nach wie vor viel Geld in die Kassen spülen.

Die Verwendung von Tools ist das Resultat vieler Präsentationen, Demos, Artikel, Konferenzbesuchen und der Beobachtung der Konkurrenz – die teilweise sogar selbst Tools entwickeln. Dass die Innovation noch nicht früher da war, rührt daher, dass AnwältInnen ziemlich zufrieden damit sind wie die Dinge derzeit sind. Deswegen muss es für die meisten nicht sofort Veränderung geben. Zwar gibt es auch hier einige wenige Early Adopter, aber der Großteil der Rechtsunternehmen ist mit dem Status Quo zufrieden. Dieser Fakt bestärkt die großen Unternehmen dabei, nicht zwingend in die Innovation investieren zu müssen.

Dasselbe Problem, viele Lösungen

Deswegen sind aber nicht alle Startups automatisch gut. Dennoch gibt es auch unfaire Kritik gegenüber den Unternehmen. Da der globale Rechtsmarkt so riesig und stark atomisiert ist, gibt es auch Platz für mehrere Versionen desselben Startups. Das geht auch mit entsprechendem Bedarf einher. Natürlich wird man als globale Kanzlei nicht zwingend von mehreren ähnlichen Unternehmen angesprochen, aber das ist ein Nebeneffekt des breiteren Marktes. So werden tatsächlich so viele Unternehmen gebraucht, um die potenziellen Bedürfnisse zu bedienen.

Da der Wandel noch lange nicht abgeschlossen ist, ist nach wie vor für viele Startups etwas zu holen. Die langfristigen Wachstumspotentiale der Startups werden also nach wie vor fruchtbaren Boden für neue Unternehmen bieten – selbst wenn es im selben Bereich schon viele bekannte Marken gibt. So wird es auch in Zukunft immer wieder neue InnovatorInnen geben, die dafür sorgen, dass die Tools immer besser werden.