Rechtsabteilungen der Zukunft: Marketing

Marketing ist viel mehr als nur die externe Bewerbung der eigenen Produkte: Auch innerhalb des Unternehmens kann eine Rechtsabteilung enorm von Marketing profitieren. Warum das so ist lesen Sie hier.

Welche Trends werden sich in den nächsten 5-6 Jahren durchsetzen? Was sehen wir bereits heute in unserer Future-Law-Advisory-Tätigkeit und worüber wird auf unseren Veranstaltungen viel diskutiert? Diese Artikelreihe beschreibt die wichtigsten zu erwartenden Veränderungen in Rechtsabteilungen in den kommenden Jahren, basierend auf diversen Studien und Erfahrungen. Gut anschnallen: es wird sich was tun!

Für viele Rechtsabteilungen ist es noch Neuland, sich aktiv im Unternehmen zu vermarkten. Im Projektmanagement ist das Marketing eine wichtige Aufgabe in jedem Projekt. So werden die Stakeholder über den Projektfortschritt informiert und die Vorteile und den Mehrwert der Projektergebnisse kommuniziert. Die daraus resultierende (Management-)Attention führt dazu, dass das Projekt gesehen wird. Personen identifizieren sich mit dem Projekt und Engagement entsteht. Der Aufwand rechet sich durch kürzere Anlaufzeiten z.B. bei erhöhtem Ressourcenbedarf oder Ambassadoren (auch) außerhalb des Projektteams. Aber Projektmarketing spiegelt auch ins Projekt zurück. Ein positives Ausformulieren der Ziele und die laufende Kommunikation führt im Projektteam zu Stolz, Teil dieses Projekts (oder der Abteilung) zu sein. Nützen auch Sie diese Möglichkeit für Ihre Abteilung! Wie wäre es mit einem Beitrag im Unternehmensnewsletter zu Ihren Anstrengungen beim letzten Deal? Der „Übersetzung“ eines neuen Gesetzes und deren Auswirkungen auf das Unternehmen? Oder der Darstellung Ihres Teams und Ihrer Aufgabenfelder „Wer wir sind“? Und wenn es Ihnen nicht liegt, vielleicht gibt es jemanden anderen im Team, der es gern macht?

Wen spreche ich an?

Für effizientes Projekt- oder Abteilungsmarketing müssen Sie sich überlegen, wer Ihre Zielgruppe ist. Verwenden Sie dafür beispielsweise eine Stakeholderanalyse. Sie listen alle Stakeholder Ihres Projekts oder Ihrer Abteilung auf und erweitern dann die Auflistung um die Dimensionen Einfluss (hoch/gering) und Einstellung (positiv/negativ). Plastischer wird das Ganze, wenn sie die Übersicht grafisch als Matrix mit vier Feldern machen, dann können Sie die Dimensionen auch relativieren. Die Stakeholder sind grundsätzlich alle von Ihrem Projekt oder Ihrer Abteilung „Betroffenen“, d.h. es können andere Abteilungen, Teams oder einzelne Personen sein. Denken Sie bei der Dimension Einfluss auch über die klassischen Hierarchien hinweg, es gibt bestimmt auch in ihrem Unternehmen Influencer! Grundsätzlich sind die Stakeholder in den Quadranten mit hohem Einfluss (sowohl positiv als auch negativ) die, in die sie den größeren Aufwand investieren sollten.

Das Gießkannenprinzip hat ausgedient
Verschiedene Stakeholdergruppen haben unterschiedliche Interessensschwerpunkte. Es gibt die direkten Kund*innen, z.B. die Nutzer*innen eines eingeführten Legal (Tech) Tools, die zusätzlich zum allgemeinen Projektfortschritt auch an Details wie Mock-ups oder Screenshots des Tools interessiert sind. Und es gibt indirekt Betroffene, die zwar wissen wollen (und sollten), wo das Projekt steht, aber keine Details brauchen. Im übertragenen Falle von Marketing der Rechtsabteilung sind die direkten Kunden die einzelnen Abteilungen und Personen, mit denen Sie laufend arbeiten und indirekte Kunden beispielsweise Customer Service oder die Strategieabteilung. Respektieren Sie die unterschiedlichen Bedürfnisse Ihrer Zielgruppen und kommunizieren Sie nach den jeweiligen Bedürfnissen – so erfüllen Sie Ihr Ziel aber langweilen oder überfrachten Sie niemanden.

Die Botschaft
Überlegen Sie sich zusätzlich zum konkreten Inhalt, was Sie in Ihrem Marketing aussagen wollen. Hier geht es darum, welche Fakten Sie überhaupt weitergeben und wie Sie diese darstellen. Die Aussage versteckt sich im (Begleit-)Text und den Formulierungen und darin, wie Sie die präsentierten Fakten interpretieren. Wenn Ihre Abteilung zum Beispiel an einem großen Abschluss mitgearbeitet hat und Sie dieses Faktum für die Vermarktung Ihrer Abteilung verwenden wollen können Sie durch Formulierungen verschiedene Aussagen machen: „Nach 6 Tagen (und Nächten) Verhandlung ist Deal XY unter Dach und Fach!“, Aussage: Viel Aufwand, hoher Einsatz. „Mit Deal XY wurde rechtliches Neuland betreten!“ unterstreicht Ihre Offenheit während „Gemeinsam ins Ziel: juristische Kompetenz als tragende Säule – Beispiel Deal XY“ Ihren Support für das Business und Ihren Kooperationswillen vermittelt. Guten Effekt hat auch sogenanntes Referenzmarketing, wenn zufriedene Kund*innen statt Ihnen spricht. Wichtig ist, dass die Botschaft eindeutig hervorgeht, Bilder oder bildliche Sprache unterstreichen sie. Beginnen Sie am besten mit der Überschrift und bringen Sie dort Ihre Aussage auf den Punkt, dann formuliert sich der Rest leichter!

Der Plan

Wenn Sie sich Zielgruppen und Botschaft überlegt haben können Sie einen Kommunikationsplan erstellen. Hier legen Sie fest, was wann und an wen über welche Kanäle kommuniziert wird. Auch wenn Sie ihn vielleicht inhaltlich nicht vollständig ausfüllen (können), strukturieren und planen Sie damit Ihre Maßnahmen. Anhand der dadurch entstehenden Übersicht lassen sich die Verantwortlichkeiten im Team festlegen und Reminder setzen. Denken Sie daran, eine kontinuierliche Verbreitung ihrer Botschaft besser als eine einmalige Kommunikation.
Aber seien Sie auch vorgewarnt: beginnen Sie damit Ihre Abteilung zu vermarkten und ins Rampenlicht zu stellen gibt es immer Widerstände oder Neid von anderen Abteilungen (insbesondere von solchen, die selbst kein Marketing machen). So werden vielleicht Ihre Aktivitäten lächerlich gemacht oder es gibt inhaltliche „Retourkutschen“. Lassen Sie sich dadurch nicht beirren, die Bühne ist groß und es gibt Platz für alle, die einen guten Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten.

 

Wir unterstützen Sie gerne auf Ihrer Digitalisierungsreise! Erfahren Sie mehr über unsere Advisory-Tätigkeiten

Vielleicht auch interessant:

Gut gemanaged – halb gewonnen: Delegation im Projektmanagement

Alles verstanden? Kommunikation im Projektmanagement